Freitag, Kawagoe

Eine Unterkunft am (westlichen) Verkehrsknotenpunkt Shinjuku hatte den Vorteil, dass ich auch schnell zu etwas weiter außerhalb liegenden Zielen kam ohne umsteigen zu müssen. So war ich Donnerstag im Edo-Tokyo-OpenAir-Museum im Westen von Tokio und Freitag bin ich in die Stadt Kawagoe in der Nachbarpräfektur Saitama gefahren.
Die Spanierin, die die letzten fünf Nächte über mir schlief (und schnarchte), war etwas neidisch, weil sie vollauf damit beschäftigt war die “Klassiker” abzugehen und vor Staunen den Mund nicht mehr zuzubekommen. Nicht, dass ich nicht mehr staune, aber bevor ich abends nochmal nach Shibuya oder Ginza fahre, ist auch mal ein Ausflug ins Umland drin. Lohnt sich.

Kawagoe wurde vom Tokugawa-Shogunat (Edo-Zeit, 1603-1868) als wichtiger Ort für den Schutz der nördlichen Regionen angesehen und hatte eine eigene Burg, von der heute auch noch die Haupthalle steht. Die habe ich mir nicht angesehen, dafür war ich am toki no kane (Glockenturm), bin durch die kura no machi (Altstadt) und natürlich die Kashiya Yokocho (Süßigkeitengasse) spaziert, und war zum Abschluss am Renkei-ji Tempel.

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Dienstag, Tokio

Heute war Tokio mal wieder wunderbar.
Ich bin in Shinjuku, wo meine momentane Unterkunft liegt, gestartet und bin eine große Runde gegangen. Von den verschiedenen Museen, die ich heute besucht habe, erzähle  ich ein anderes Mal.
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Blick vom Seiji Togo Memorial Museum im 42. Stock. In der Ferne der Skytree.
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Das markante Nachbargebäude beherbergt die Hochschule für Mode.

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Luxus neben Armut. Tagsüber sind die Habseligkeiten der Wohnungslose (nicht nur) im Yoyogi Park penibel verpackt und angekettet.

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Yoyogi Park
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Harajuku

 

 

 

Izumo Taisha, Shimane

Letzten Dienstag war das gefühlte Ende meiner Reise. Auch wenn ich noch zwei Wochen in Japan bin, war meine letzte große Tour quer durch Honshu mit dem Besuch des Izumo Taisha beendet.
Der Izumo Taisha ist neben dem Ise Jingu (Präfektur Mie) der bedeutenste und älteste Schrein Japans und damit eine der wichtigsten Stätten des Shintoismus. Gründe dafür gibt es einige, am wichtigsten ist aber Okuninushi-no-okami, der “Schöpfer aller Dinger unter dem Himmel”, der hier verehrt wird.
Er gilt als der Retter und Beschützer der Natürlichkeit aller Dinge und ist eine Gottheit mit einer großen Verbundenheit zu den Vorfahren. Er teilt Freud und Leid, macht das Land fruchtbar, nahm große Schmerzen auf sich, um die Nation weiterzubringen, brachte den Menschen die Landwirtschaft sowie die Fischerei und brachte ihnen effektive Methoden zur Getreideproduktion und medizinische Heilkunst bei. Die Liste ließe sich lange fortführen.
Der Hauptgrund für eine Vielzahl der Besucher ist seine Eigenschaft als Schöpfer und Behüter von Beziehungen. Daher kommen viele Paare, um für ihre gemeinsame Zukunft zu beten und/oder zu heiraten; Singles kommen, um um Unterstützung zu beten; Eltern beten für ihre (Enkel-) Kinder.

Damit ist auch klar, warum der Spezialzug der Ichibata Railway von Matsue Richtung Izumo Taisha so aussieht, wie er aussieht:
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Seidamari – Der Haupteingang

Leider hatte ich nicht sehr viel Glück mit dem Wetter, aber immerhin konnte ich das weitläufige Gelände in einer (Schnee-)Regenpause erkunden.
Sobald man die Straße, die zum Schreingelände hinaufgegangen ist, steht man vor dem Seidamari, dem Haupttor, das die Grenze zwischen weltlichem und religiösen Bereich kennzeichnet.

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Matsu no Sando

Vom Seidamari führt zunächst ein gepflasterten Weg hinunter, der sich dann zum Matsu no Sando dreiteilt. Betende und Besucher gehen links und rechts an den Pinien vorbei. Der Mittelgang durch die Pinienallee ist den Göttern vorbehalten, die jährlich im Oktober aus dem ganzen Land zusammenkommen und sich hier treffen.

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Matsu no Sando – Links ragt das Dach der Temizuya ins Bild. Dort werden vor dem Betreten des Hauptgeländes Hände und Mund gereinigt.

 

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Haiden (Gebetshalle) mit Shimenawa (heilige Shinto Strohkette).

Vor der Gebetshalle Haiden ist der Hauptort, wo Gläubige Okuninushi-no-Okami anbeten. In der Halle selbst werden Zeremonien , u. a. Hochzeiten, durchgeführt. Izumo_07Izumo_08Izumo_09

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Honden

Das Heiligsten vom Heiligen darf nicht von Besuchern betreten werden und ist durch einen Zaun abgeschirmt. Innerhalb dieses Zauns befinden sich mehrere Heiligtümer und vor allem die Haupthalle Honden, die den Schrein Okuninushi-no-Okamis beherbergt. Ursprünglich war diese Halle einmal doppelt so hoch, ist aber auch heute noch mit ihren 24 Metern das höchste hölzerne Schreingebäude Japans.
Dass es die 48 Meter hohe Halle tatsächlich einmal gegeben hat – und das schon im 12 Jahrhundert nC – war lange nicht so ganz sicher und beruhte auf Überlieferungen. Im Jahr 2000 wurden dann auf dem Schreingelände Grabungen gestattet, die Überreste alter Säulen zutage brachten.
Damit wurde die Existenz deutlich wahrscheinlicher. Auf dem Foto weiter oben sind vor den Stufen im Boden drei Kreises markiert, die zeigen, wo sich die Säulen befanden.Izumo_11

 

 

 

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Der Weg zurück zum Seidamari

Freitag, Matsumoto

Auf den letzten Metern dieser Reise habe ich mir noch ein paar Perlen ausgelegt, die ich jetzt nach und nach aufpicke. Ich mache also im Grunde so weiter wie in den letzten acht Monaten, wenn ich mal kurz ehrlich bin.
Jedenfalls. Donnerstag bin ich nachmittags in Matsumoto angekommen und habe die Nähe meiner Unterkunft zur Bahn genutzt, um direkt das Ukiyo-e Museum zu besuchen, das etwas außerhalb liegt und die wichtigste Sammlung Japanischer Holzdrucke (=Ukiyo-e) beherbergen soll. Da ich inzwischen ein paar Originale von Hiroshige, Eisen und natürlich Hokusai gesehen habe, die richtig gut in Szene gesetzt waren und entsprechend ihre Wirkung auf mich hatten, hatte ich mir von dem Museum einiges versprochen. Leider wurde ich insbesondere mit Blick auf die Präsentation der Drucke enttäuscht. Da habe ich bessere Sparkassen-Ausstellungen gesehen. Inhaltlich waren herausragende Drucke darunter, aber bei der Hängung und Atmosphäre kam die übliche Ausstrahlung nicht zum Zug. Schade.
(Das Foto, das ihr unten sehen könnt, ist auf dem Flur aufgenommen und zeigt die Galerie der Nachdrucke, die zum Verkauf stehen.)

Am Freitag habe ich dann die sehenswerte und gut erhaltene Altstadt Matsumotos besichtigt. Ich war erst in einer ehemaligen Grundschule, die um 1876 gebaut wurde und 90 Jahre genutzt wurde ehe sie zum Nationalen Kulturgut erklärt, umgesetzt und nun als Museum ihrer eigenen Geschichte dient.
Von dort aus ging es weiter zur ältesten erhaltenen Holzburg Japans, die sich bei dem Wetter von ihrer besten Seite zeigen konnte. Sie ist eine von zwei Burgen (die andere steht in Okayama), die einen “Mondsichtflügel” hat. Als Zeichen der friedlichen Zeit in der die Burg erbaut wurde, gibt es diesen nach drei Seiten offenen Raum, der auf dem Foto unten am umlaufenden Balkon zu erkennen ist. Sehr netter Raum.
Nach einem Abstecher ins Museum zur Stadtgeschichte, wo ich mal eine der momentan allgegenwärtigen “Heizungen” festgehalten habe, bin ich durch die Straßen der Altstadt gelaufen, die zum einen von emsigen Touristentandverkäufern und zum anderen von netten Cafés und lokalem Handwerk am Leben gehalten wird.
Nachmittags war ich im Kunstmuseum. Hier wartete mal wieder eine überraschend gute Ausstellung des örtlichen Kunstvereins (zumindest habe ich es so verstanden) und die Dauerausstellung auf mich. Da wurde ich dann auch dafür “entschädigt”, dass ich die noch laufende Retrospektive von Yayoi Kusama im Louisiana Museum nicht sehen konnte. Kusama kommt nämlich aus Matsumoto und so ist ein Großteil der Dauerausstellung natürlich ihrem Werk gewidmet. Das war gut.
Zum Abschluss war ich im Matsumoto Center of Performing Arts, also dem was man wohl Stadthalle/-Theater nennen kann. Ein toller Bau.

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Weihnachten in Tokio

Frohes Neues Jahr und ein gutes Jahr des Affen wünsche ich Euch!
Ich habe gemeinsam mit meiner Schwester und meinem Bruder gefeiert und bin jetzt wieder allein unterwegs. Für die letzten fünf Wochen. Verrückt.
Die Bilder heute sind alle noch aus dem letzten Jahr. Die Überschrift verrät es schon, aufgenommen während der Weihnachtstage in Tokio. Da schließe ich ein, zwei Tage drum herum einfach mal mit ein.
Meine Unterkunft lag dieses Mal in Shimbashi, das vor allem durch Geschäftsgebäude geprägt ist. Allerdings liegt es auch unweit von Ginza, Roppongi, Tokyo Station und ist sehr gut in den Nahverkehr eingebunden.

Am 22.12. war ich zum ersten Mal im Mori Art Museum und war zum einen von der Takashi Murakami-Ausstellung und zum anderen von der phantastischen Aussicht vom Sky Deck begeistert.  Mittlerweile kann ich in den ganzen Häuserschluchten die verschiedenen (Innen-)Stadtteile ausmachen und sehe nicht mehr “nur” ein einziges Häusermeer.
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Wie auf Kommando wurden die Fähnchen ebenso plötzlich wieder heruntergenommen, der  Kaiser sprach zum Volk (und anwesenden Touristen), die kaiserliche Familie winkte und lächelte und verschwand nach einem weiteren Fähnchenmeer. Danach setzte sich die Masse der Gratulanten wieder in Bewegung und konnte seine Fähnchen wieder abgeben und vorher abgegebene/eingepackt Gegenstände wieder abholen – inkl. Getränkeflaschen. Da der Tag dann schon zur Hälfte rum war, bin ich in der Gegend geblieben und habe die verschiedenen Hochhäuser an der Tokio Station, vor der immer noch gebaut wird, erkundet.
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Nach dem Gottesdienst wurde dann festgestellt, dass der Sohn des Pastors gerade in Deutschland studiert    und dass die Organistin in Wien Musik studiert hat. Meine Begleiterinnen, die längere Zeit in Wien gelebt haben, konnten begeistert ins Gespräch einsteigen. Die Welt ist ein Dorf.
Mein Festmahl bestand aus einer italienischen Feinkostplatte, Sake und kostspieligen Erdbeeren. Bevor ich verteufelt werde: Hier ist gerade (Gewächshaus-)Erdbeersaison. Und da Lebensmittel hier ja zum Teil unglaublich teuer sind, dachte ich mir, dass Weihnachten doch mal ein guter Grund wäre, herauszufinden ob an dem Spuk was dran ist. Ergebnis: 5 Erdbeeren für ca. 7 Euro, die sehr gut aussahen, aber jetzt nicht gerade eine Geschmacksexplosion verursachten. Eher im Gegenteil. Eine hatte bereits angefangen es sich wohnlich in ihrer Styroporhülle einzurichten. Samt Schimmeltapete.
201512_Tokyo 18 201512_Tokyo 19 201512_Tokyo 20Damit ich auch noch einen Gottesdienst hatte, bei dem ich mehr verstand als die Grundstruktur, bin ich vormittags am 25.12. nach Gotanda zur evangelischen deutschsprachigen Gemeinde der Kreuzkirche gefahren und habe am Gottesdienst samt Abendmahl teilgenommen. Eine sympathische Pastorin und nettes Beisammensein im Anschluss.
Den Tag habe ich dann mit Bummeln in Shibuya und Umgebung verbracht.
Insgesamt waren die Tage gar nicht so schlimm, wie ich es erwartet hatte. Bescherung, Kirche, Skypen und Telefonieren haben dazu beigetragen, dass ich nicht das Gefühl hatte der einsamste Mensch der Welt zu sein, sondern viel mehr einfach mal woanders. Eigentlich war es sogar dieses eine Mal ganz schön, aber ich freu mich trotzdem schon auf dieses Jahr, wenn es wieder wird “wie immer”.
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Freitag, Akeno.

20151211_Akeno 01 20151211_Akeno 02 20151211_Akeno 03 20151211_Akeno 04 Nachdem es von gestern Abend bis heute Mittag durchgängig geregnet hat, ging am Himmel am frühen Nachmittag die Post ab. Aus der Ferne konnten wir beobachten, wie auch der Fuji sich langsam aus seiner Wolkendecke schälte. So habe ich mir, nachdem wir mit den Biokisten fertig waren, noch einmal die Kamera geschnappt und bin eine Runde durch die Nachbarschaft gegangen. Neben einigen verfallenen Häusern, kam ich auch an der niedlichen Postfiliale vorbei. Eine grundsympathische Institution in Japan, denn Poststellen gibt es in fast jedem Dorf.
Dank des Regens kam ich heute also nochmal um das Buddeln der Löcher für die Walnussbäumchen rum. Aber in den nächsten Tagen werden die Bedingungen sicher irgendwann stimmen.
Jetzt ist draußen erstmal der Wind zugange, sodass wir morgen wohl etwas aufräumen werden, ehe es entspannt ins Wochenende geht.

Donnerstag, Akeno und Nagano

20151210_Nagano 01 20151210_Nagano 02 20151210_Nagano 03 20151210_Nagano 04 20151210_Nagano 05Ich bin eine lausige Beifahrerin. Also zumindest, wenn gute Beifahrerinnen auszeichnet, dass sie die Fahrerin bei Laune halten, munter reden, einen Schwank aus ihrer Jugend erzählen und aufmerksam die Getränke anreichen. Das geht nämlich nicht, wenn man schläft. Die erste Stunde auf dem Weg zur Baumschule in Nagano war der Ausflug an sich und die Landschaft der Südjapanischen Alpen noch aufregend und fesselnd genug, um mich “gute Beifahrerin!” zu loben, dann begann aber irgendwann der Kampf mit den Augenlidern. Auch wenn ich mein Bestes gegeben habe, wird Megumi sicher gemerkt haben, dass mein Kopf teils unkontrolliert gen Brust fiel, um direkt wieder plötzlich aufgerichtet zu werden. Für den Bayer ist das jedes Mal wieder Grund sich zu amüsieren. Megumi hat zumindest nicht offensichtlich gelacht.
Jedenfalls: Für die 120 Kilometer haben wir tatsächlich etwas über zwei Stunden gebraucht, obwohl wir ca. 100 Kilometer davon auf dem Highway verbracht haben. Ohne Stau. Es fasziniert mich doch immer wieder, wie schnell mir 80 km/h mittlerweile vorkommen. Oder 50 km/h. Obwohl mein Kopf jedes Mal denkt, dass das nicht sein kann. Als sei ich die Schnecke auf dem Rücken der Schildkröte und im wahren Geschwindigkeitsrausch.
So lang die Fahrt auch dauerte, so kurz und schmerzlos verlief die Adoption der 50 jungen Walnussbäume. Ich hatte mir die Bäumchen getopft vorgestellt, tatsächlich bekamen wir quasi zwei Sträuße mit je 25 Stielen in die Hand gedrückt – ähnlich wie auf dem Bild oben zu sehen. Dazu gab es eine Erklärung zum Einpflanzprozedere, einen Handzettel mit Schädlingsabbildungen und ein freundliches “arrigatou gozaimashita!”. Fertig waren wir.
Wir aßen noch Mittag in der Gegend, kehrten auf einem örtlichen Farmers Market (gibt es öfter; wie ein kleiner Supermarkt mit Holzregalen gefüllt mit Produkten regionaler Herkunft; gerne mit angeschlossenem Restaurant)  ein und machten uns dann wieder auf den Rückweg. Dieses Mal mit 50 Walnussstielen dick eingepackt in Wolldecke im Kofferraum.
Wieder in Akeno angekommen, hat Megumi mir dann die freudige Botschaft übermittelt, dass morgen die Sonne scheinen soll. Was zur Folge hätte, dass der Boden hoffentlich nachmittags nicht mehr so hart sein dürfte. Was wiederum bedeute, dass wir nach dem Versand der Biokisten am Vormittag, beginnen würden die Löcher für die Walnussbäume zu buddeln. 50 Stück. Jeweils 50 Zentimeter tief.

So schön kann Weihnachten sein.