Zweieinhalb Stunden Okayama

20150902_Okayama-jo 01 20150902_Okayama Mittag 02 20150902_Okayama Mittag 01 20150902_Okayama Kuen 05 20150902_Okayama Kuen 01 20150902_Okayama Kuen 02 20150902_Okayama Kuen 03 20150902_Okayama Kuen 04Dank meiner freundlichen Herbergsmutter, die mich zum Anleger von Naoshima gefahren hat, habe ich eine deutlich frühere Fähre nach Honshu erreicht als gedacht und damit ausreichend Zeit für eine ausgiebige Mittagspause in Okayama gehabt.
(Kurzer Exkurs: Ich arbeite an einer Übersichtskarte, damit leichter nachzuvollziehen ist, wo ich mich rumtreibe.)

Okayama ist insbesondere für seinen Koraku-en bekannt, der zu den Drei berühmten Gärten Japans gehört. Da der Garten sehr zwischenstoppfreundlich in der Nähe des Hauptbahnhofs liegt, habe ich die Gelegenheit genutzt und ihn besucht. Eine schöne Anlage, die besonders im Frühling und Herbst sicher vor Farben explodiert. Heute war sie vor allem Grün, aber auch das machte Eindruck.
Auf meinem Weg lag zudem die Burg von Okayama, die ungewöhnlich Schwarz statt Weiß über dem Fluss Asahigawa thront, und natürlich mein Mittagessen: Vis à vis der Burg habe ich ein lokales Curry gegessen.

Konpirasan

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Bestimmt fünf Leute hatten mir geraten den Konpirasan – oder formeller Kotohira-gu –  in Kotohira auf Shikoku zu besuchen. Zwar wusste ich da noch nicht, dass es 785 Stufen bis zum Hauptschrein sind, aber mein Interesse war bereits geweckt. Bisher war mir wenig so sehr ans Herz gelegt worden – da musste also was dran sein.

 Ehrlich gesagt hatte ich etwas Respekt vor der Anzahl der Stufen, aber es stellte sich heraus, dass ich durch die letzten Wochen ganz gut in Übung war. Nachdem ich meinen Rhythmus gefunden hatte, dauerte es ca. 40 Minuten bis ich oben war (inkl. Rast bei den Pferden und Abstecher zu den kleineren Schreinen am Weg). Das war dann doch schneller als gedacht.
Oben erwartete mich der Hauptschrein mit seinen vielen Verzierungen und die hervorragende Sicht bis zum japanischem Binnenmeer.

Die Pilgerfahrt zum Konpirasan ist seit mehreren Hundert Jahren populär und insbesondere für Seefahrer ist der Schrein von Bedeutung, da der Haupt-Kami (etwa: Shinto-Gottheit) lange Zeit derjenige für die Seefahrt war. Das erklärt die Petersburger Hängung der vielen Bilder von Seefahrern und Schiffen in einem Nebengebäude des Hauptschreins und die Insignien der Seefahrt auf dem Weg hinauf (Anker, Schiffsschraube).

Kormoranfischen in Ozu

Von einem Bekannten hatte ich gehört, dass ukai, also traditionelles japanisches Kormoranfischen, für ihn einer der Höhepunkte seiner Japan-Reise war. Daher horchte ich auf als mein Gastgeber mir vom Kormoranfischen in Ozu erzählte. Seiner Meinung nach ist das ukai in Ozu, das schönste von ganz Japan. Und obwohl die Meinung natürlich zum Job gehört, habe ich die Gelegenheit genutzt und mir einen Platz auf einem der Boote reservieren lassen.
Ukai ist eine traditionelle Weise des Fischfangs mithilfe von dressierten, zahmen Kormoranen. Die Vögel folgen ihrem natürlichen Tauchinstinkt zum Fischfang und werden mit einer Schnur daran gehindert größere Fische selbst zu fressen. Soweit ich weiß, wird ukai nur noch zu touristischen Zwecken bzw. zum Erhalt der Tradition betrieben.

Zum folgenden Video: Das Feuer und Licht am Boot soll  Fische anlocken. Die Kleidung des Fischers ist ebenso traditionell wie die Weitergabe seines Wissens nur innerhalb der Familie.
Tatsächlich “stehen” die Boote nicht, sondern bewegen sich im gleichen Tempo wie die Kormorane, was wirkt als würden diese das Boot ziehen (für das Fortkommen ist allerdings der Mann hinten mit dem Paddel zuständig).

Vor dem eigentlichen Ukai gab es eine kurze Altstadtführung und an Land wie auf Wasser sehr viele Informationen (allerdings alle auf Japanisch) vom Guide der Stadt Ozu. Auf dem Boot haben wir gemeinsam gegessen. Die bento (Box mit Essen) war sehr gut, wie auf dem Bild wohl zu erahnen ist. Als es schließlich dunkel war, kam das Boot mit den Kormoranen. Aus der ferne sah es aus als würde ein Boot brennen, aber ich wurde schnell aufgeklärt.
Auf jeden Fall ein schönes und mutmaßlich einmaliges Erlebnis.
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Die wichtigste Antwort auf die Frage: “Warum Japan?”

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Die erste Station nach Matsuyama war letztes Wochenende die historische Kleinstadt Ozu in der Iyo-Region.
Bevor ich in den Zug stieg, ist es aber mal wieder passiert: Ich frage nach dem Weg, daraus entsteht ein Gespräch und der nette Japaner fragt mich, ob ich eigentlich schon zu Mittag gegessen habe.
Hatte ich nicht und so bin ich mit Sack und Pack dem Japaner hinterher und habe gutes Katsu-Curry (Paniertes Schnitzel mit einer Curry-Soße und Reis) gegessen, das ich dann (natürlich) nicht selbst bezahlen durfte.

Solche Begegnungen sind immer noch und immer wieder erstaunlich.
Ich bin baff über die Gastfreundschaft, die Freundlichkeit, das Interesse, die Gespräche, die entstehen und wie sich manchmal eine ganze Gesprächsrunde mit Sitznachbarn entspannt. Nicht immer klappt alles auf Englisch, aber mit Hilfe von Händen, Füßen, Google und anwesenden Englischlehrenden, klappt es immer.
Ich bekomme Fragen gestellt; man wundert sich sehr, dass ich kein Bier mag; die alte Allianz zwischen Japan und Deutschland wird beschworen (was mich immer wieder etwas befremdet); ich erläutere meine Reiseroute; der/die Japaner/in erläutert seine/ihre Deutschland-Route; ich bekomme Tipps für mein nächstes Ziel und viel mehr.

Ich brauche kein Airbnb, um die Menschen vor Ort kennen zu lernen. Ich schleiche mich mit einem Lächeln durch die Gegend, grüße freundlich, frage mich durch und treffe die tollsten Menschen: Tachi-san, den ich in Ito-Onsen kennenlernte und der mich so großzügig durch die Tage in Nikko begleitete; der Tokioter mit dem so netten E-Mail-Namen “tokyoisgood”, der mir den Garten des Meiji-Schreins zeigte und erklärte; die warmherzige Ayako, die ich auf der Tomita Farm kennenlernte und die ich nicht mehr missen möchte; der unglaubliche Ed, der brillante Ideen bei einem Kaffee spinnt und Saipan auf meinen persönlichen Atlas gebracht hat; Hiromu, der spontan seine Tagesplanung an meine anpasst und als PR-Manager für Städte und Regionen arbeitet (wie cool ist das bitte?); und es werden immer mehr!

Hinzu kommen die vielen Namenlosen, die mich zum Ziel führen, Sachen erklären oder für mich übersetzen, und natürlich die vielen Freundschaften aus den letzten Jahren, ohne die ich wohl nicht auf die Idee zu dieser Reise gekommen wäre.

Matsuyama. Tag 2 und 3

20150820_Fahrt nach Matsuyama 20150820_Fahrt n Matsuyama
Gleich vorweg: Heute wird es lang. Verzeihung.
Und: Mir geht’s so gut!

Oben zwei Bilder von der Busfahrt, auf der es mir so gut ging, wie schon einige Zeit nicht mehr. Nach einer Woche Kampf mit mir selbst, ob ich wirklich drei Monate so weit ab vom Schuss verbringen möchte, um dort Arbeit zu machen, die mir wirklich keinen Spaß macht. Eine Woche allein in einer Hütte schlafen, mit Plumpsklo, ohne Internet und dem komischen Gefühl, dass mich stundenlang niemand vermisst, wenn ich mich nicht rühren könnte. Jede Menge Kopfkino, schlechten Schlaf und selbst das Essen hat nicht geschmeckt.
Nach einem längeren Telefonat mit dem Lieblingsbayer, in dem wir finanzielles wie emotionales Soll und Haben abglichen, uns nochmal überlegt haben, warum ich durch Japan reise und was eigentlich wichtig ist, war klar, dass ich “da” nicht “durch muss”. Mit der Rückendeckung fiel es deutlich leichter die Entscheidung zu kündigen zu treffen. Der englische Kollege hat noch versucht mich davon zu überzeugen, dass ich das als Herausforderung nehmen solle und er es falsch finde, dass ich “aufgebe”, aber für mich fühlte sich der Weggang so komplett richtig an, dass ich für die Einwände immun war.
So geht es also weiter. Mit ein wenig verdientem Geld und der zurückgewonnenen (Vor-)Freude.

Sessellift den Katsuyama hinauf zur Burg
Sessellift den Katsuyama hinauf zur Burg

Nach der oben erwähnten Busfahrt habe ich mich fix von meinem großen Rucksack getrennt und bin in der Sauna, die sich Matsuyama nennt, mit dem Sessellift den Katsuyama zur Burg hochgefahren.
Manchmal ist es kurios, dass auf der einen Seite an jeder Baustelle jemand steht, der einen zur Sicherheit nochmal darauf hinweist, dass dort eine Baustelle ist und man bitte vorsichtig sein soll, und auf der anderen Seite die Sitze hier keinen Bügel haben. Nicht dass es mich groß gestört hätte, aber innerlich geschmunzelt habe ich trotzdem. So wie sich Tradition und Moderne hier die Hand reichen, passiert das ebenso mit Übervorsicht und Urvertrauen in den gesunden Menschenverstand. (Wobei mir die Vorsicht deutlich öfter begegnet.)
Oben angekommen, habe ich zu Fuß die restlichen Stufen (mein persönlicher Running Gag…) zur Burg genommen und habe es genossen, dass ganz oben tatsächlich eine Meeresbrise wehte. Ich bin zwar nicht zum Wasser gekommen, aber von da oben konnte ich die Küste zumindest sehen.
Die Burg von Matsuyama ist eine wirkliche Schönheit. Zudem ist man hier auf ausländische Gäste eingerichtet, denn alles ist nicht nur auf Japanisch, sondern auch auf Englisch beschriftet. Die Burg wurde laut Schautafel vor Ort mutmaßlich  1627 das erste Mal fertig gestellt, brannte 1784 nach einem Blitzeinschlag nieder und wurde 1854 wieder aufgebaut. Wer noch etwas mehr zur Geschichte lesen möchte, die natürlich mit Samurais zu tun hat, kann das zum Beispiel >hier< tun. Ich liefer ein paar Bilder dazu.
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Innen durfte man natürlich nicht mit seinen Schuhen rumlaufen. Wie an vielen Orten in Japan, gibt es dafür am Eingang wahlweise Regale für die Schuhe oder eine etwas luxuriösere Variante mit Schließfächern, um ein unüberschaubares Schuh-Meer zu vermeiden. Damit man nicht strumpfsock oder gar barfuß durch die Räume gehen muss, werden fast immer Schlappen bereitgestellt, die ich aber weitestgehend meide. (Treppensteigen ist in den Dingern für mich eindeutig gefährlicher als ohne. Außerdem nervt mich dieses Rumgeschlurfe, weil man natürlich nicht gut darin laufen kann.)
20150820_Matsuyama-jo Schuhe 01 20150820_Matsuyama-jo Schuhe 02 20150820_Matsuyama-jo Schuhe 03 Um den Food-Content auf Wunsch eines einzelnen Herren zu erhöhen, streuen ich jetzt auch mal das Eis ein, dass ich zwischendurch hatte. Mikan-Softeis. War okay und dafür zu teuer.
20150820_Matsuyama-jo Eis
Nach dem entspannten Abstieg dank des Sessellifts, hatte ich ein hervorragendes italienisches Mittagessen. Aber dazu später mehr.
Vorher geht es zur Bansuiso-Villa und zum  “Saka no ue no kumo”-Museum. Beides liegt nur einen Steinwurf vom Hotel (und voneinander) entfernt, ansonsten hätte ich mir die französische Villa gespart. Innen gab es eine Ausstellung, die ich nicht verstanden habe (viele japanische Texte) und für meine europäischen Augen nichts Spektakuläres. Meine liebsten Ansichten sind das unfertig gestrichene Treppenhaus, der schnöselige Japaner mit mir und der schöne Garten.
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Sehr viel spektakulärer war der Bau des “Saka no ue no kumo”-Museums, der von Tadao Ando entworfen wurde. Das Haus selbst ist dem gleichnamigen Roman von Shiba Ryotaro gewidmet, der den Lebensweg dreier junge Männer aus Matsuyama in der Meiji-Ära nachzeichnet. Eine Zeit in der alles möglich war. Der Roman war/ist ein großer Erfolg in Japan und ich hatte mal wieder keine Ahnung davon. Schlimm. (>Hier< eine kurze deutsche Inhaltsangabe.) Jedenfalls soll laut Ando der Bau die Stimmung der damaligen Zeit ausdrücken. Mich hat die Architektur ziemlich beeindruckt. So sehr, dass ich am Ende wegen der schrägen Wände etwas das Gefühl hatte die Balance zu verlieren.
(Stellvertretend für den Bayer habe ich den Beton gestreichelt, weil er das immer macht, um dann zu sagen: “Sehr schöner Beton. Gut verarbeitet.” Hab ich aber nicht gesagt, weil ich davon keine Ahnung habe.)
20150820_Saka no ue no kumo-Museum 01 20150820_Saka no ue no kumo-Museum 02 20150820_Saka no ue no kumo-Museum 03 20150820_Saka no ue no kumo-Museum 04 20150820_Saka no ue no kumo-Museum 05 Mein Abendprogramm bestand aus einem Blick vor die Tür und der Planung der kommenden Tage.
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Am letzten Tag in Matsuyama habe ich das Ehime-Kunstmuseum besucht, das mich enttäuschte. Von einem Kunstmuseum der Präfektur Ehime hatte ich mir deutlich mehr versprochen. Die Dauerausstellung war leider alles andere als umfangreich. Das soll die wenigen präsentierten Stücke nicht schmälern, aber ich war doch froh, dass ich nur den Studententarif gezahlt habe. Die Sonderausstellung bestand aus vielen farbenfrohen Landschaftsaufnahmen. (Fotos waren natürlich nicht gestattet.)
20150821_Matsuyama 20150821_Matsuyama Ehime Art Museum 01 20150821_Matsuyama Ehime Art Museum 02
Den Nachmittag bin ich durch die Stadt gebummelt und habe mich in einigen Läden umgesehen. Ich hatte keine Lust mir noch weitere Museen anzusehen oder zu einem Tempel zu wandern. Darf auch mal sein.
Mein absolutes Tageshighlight war dann mein erklärtes Lieblingsrestaurant in Ehime (ob es ganz Shikoku schafft, wird sich zeigen): Das Mikania.  Ich war bereits am vorigen Tag zum Mittagessen dort und war sehr begeistert von der sehr frischen und sehr italienischen Küche. Meine Begeisterung trieb mich noch einmal hin und wurde nicht enttäuscht. Die Betreiber waren erst etwas überrascht mich wieder zu sehen, haben das gestrige Mittagessen aber noch einmal getoppt. Es gab richtige (!) Salami, Käse, leckere Oliven, tollen Salat, Pizza, und und und. Es war so herzlich und köstlich, dass es mir bei der Frage des Kochs und Inhabers, ob es schmeckt, schier die Freudentränen in die Augen trieb. Oh man. So schmeckt Freude.
Er hat mir noch erklärt, dass es sehr schwierig ist gute Salami, guten Schinken und Käse in Japan zu bekommen. Das glaube ich ihm gerne. Ich hatte seit meiner Ankunft in Japan weder gute Salami, noch guten Schinken oder Käse.  Jedenfalls kann ich das kleine Restaurant nur wärmstens empfehlen, sollte mal jemand in Matsuyama sein und auch grade keine Lust auf japanische Küche haben. Es liegt direkt in der netten Straße zur Seilbahnstation.
20150821_Matsuyama Mikania 20150821_Matsuyama Railrope Street

Matsuyama, Tag 1

Am Montag hatte ich meinen ersten und zugleich letzten freien Tag im Familienresort, wo ich mich am Donnerstag verabschiedet habe. Diesen Tag habe ich in Matsuyama, Hauptstadt der Präfektur Ehime, verbracht. Da es bis zum frühen Vormittag schüttete wie aus Eimern, habe ich nicht alles besucht, wie geplant, aber da ich mir schon fast sicher war, dass ich sehr bald wiederkommen würde, war das wenig tragisch. Auch so war der Tag sehr schön und sehr entspannend.

20150817_Railrope Street 20150817_ at Railrope StreetAls es weniger stark regnete, habe ich die sympathische Straße erkundet, an der die Seilbahnstation hoch zum Schloss liegt. Verkehrsberuhigt mit Radwegen und netten Geschäften. So mag ich das. Das Alternativprogramm – die zwei endlos langen überdachten Einkaufspassagen – hatte ich mir während des Regens etwas angesehen und war jetzt sehr positiv überrascht. Entlang der gewundenen Straße liegen kleine Restaurants und Spezialitätengeschäfte, z. B. für die bekannten Iori-Baumwollhandtücher oder für die Vermarktung örtlicher Spezialitäten. Besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den vielen Mandarinensorten, die in Ehime angebaut und natürlich geerntet werden.
20150817_ Mikan 20150817_ Mikan 02 20150817_ Mikan 03Im “10 Mikan” tut man das mit Stil und Fokus auf das Wesentliche: Zehn verschiedene Sorten Mikan sortenrein in Saft, Eis, getrocknet oder auch Marmelade verwandelt. Das musste ich natürlich probieren und hatte ein kleines Saftset, das aus den drei Sorten unshu, kiyomi und kashi28gou bestand.

Nach einem sehr guten Mittagessen bin ich dann mit der Tram in einen anderen Stadtteil gefahren, um die bekannteste Institution Matsuyamas zu besuchen: Dogo Onsen.
Vorher unternahm ich allerdings noch einen kurzen Abstecher zum nahegelegenen Insaniwa-Schrein. Die Karte hatte mir verschwiegen, dass es (mal wieder) einige Stufen zu erklimmen gibt, aber ich will ja auch vermeiden aus der Übung zu kommen.
Auf dem ersten Bild gleich sieht man mittig oberhalb der Stufen einen kleinen Menschen stehen, der natürlich in Wahrheit ca. 1,80 m groß ist. Bei dem Menschen handelt es sich um einen 16-jährigen Koreaner, mit dem ich beim Fotos machen ins Gespräch kam. Da sein Japanisch deutlich besser ist als sein Englisch (und mein Japanisch), war die Unterhaltung zum Dogo Onsen einigermaßen amüsant. Er ist seit März in Tokyo als Austauschschüler und bereist in seinen Sommerferien grade allein das Land.
Der Insaniwa-(Shinto)-Schrein jedenfalls gehört zum Nationalen Kulturgut und wurde 1667 erbaut.
20150817_Schrein 20150817_Insaniwa Schrein 04 20150817_Schrein 02 20150817_Insaniwa Schrein 03Danach kam mein persönliches Tageshighlight: Der Besuch des Dogo Onsen. Ich liebe Onsen. Daher gehörte ich natürlich nicht zu denen, die nur davor stehen und ein Foto machen, sondern bin auch in das Badehaus und habe mich in das “Wasser der Götter” begeben. Dogo Onsen gehört ebenfalls zum Nationalen Kulturgut und bietet gar dem Kaiser private Räumlichkeiten, damit dieser ungestört baden kann. Da das zuletzt 1950 passiert ist, können Normalsterbliche die Räume besichtigen und einen Eindruck des Inneren bekommen ohne ein Bad zu nehmen.
Zu meinem Onsen-Ticket gehörte nach dem Bad ein grüner Tee mit Gebäck. Kleines Spezial-Highlight: Der Yukata war sogar groß genug, sodass ich mich ohne Probleme in ihm durch das Haus bewegen konnte. Herrlich. 20150817_Dogo Onsen 02 20150817_Dogo Onsen

Kuma Kogen, Ehime

Die kleinen Hütten.
Die kleinen Hütten.

20150816_Kuma Kogen 02
Mein erster bezahlter Job. Irgendwo im Nirgendwo. Von Tokio aus habe ich am Mittwoch über Acht Stunden gebraucht um hierher zu kommen und durfte zudem mal wieder Unmengen an Yen an die Japanische Bahn zahlen. Da diese Tage “Obon” ist, sind die Züge alle gerammelt voll und ich hatte natürlich keine Reservierung. Hat aber auch so ganz gut geklappt. Mit Geduld und Anstehen, war das kein Problem.
Obon ist übrigens einer der wichtigsten Feiertage in Japan und dient dem Gedenken der Ahnen. Mein Freund Katsu in Hirosaki hat mir letzte Woche erklärt, was da passiert und mir dafür einen Blick hinter die Kulissen seines Familientempels ermöglicht. Um es kurz zu machen: Die Verwandten kommen von nah und fern zusammen und gehen gemeinsam zum Tempel, um für die Verstorbenen zu beten. Die Völkerwanderung, die dafür stattfindet lässt sich wohl am besten mit dem deutschen Weihnachtsreiseverkehr vergleichen. Nur bei über 30 Grad Celsius.

Eine der großen Hütten.
Eine der großen Hütten.
Reinigung mit dem Kollegen aus England.
Reinigung mit dem Kollegen aus England.
Abendlichen Barbecue
Abendlichen Barbecue
Eines der Geschirrlager
Eines der Geschirrlager

Aber zurück nach Kuma Kogen: Ich bin in einem “Family Resort”, was sich als eine weitläufige Anlage mit zwanzig unterschiedlich großen Ferienhütten, Zeltplatz, Café, Museum und Angelteich herausstellte. Zudem können die Gäste Barbecue bestellen oder sich den Grill hergerichtet an die Hütte liefern lassen. Durch eine große Unterkunft, ist es zudem möglich Gruppen von über 50 Personen unterzubringen.
Hier bin ich jetzt für die nächsten Wochen als “Mädchen für alles” angestellt. Ich spüle, ich putze, ich wasche, ich schnibbel Gemüse, ich feudel, ich falte Kartonagen, ich suche Geschirr, ich lächel und winke.
Der Manager ist sehr freundlich und sehr überarbeitet. Bisher habe ich keinen Vertrag unterschrieben, keine Infos zu meiner Bezahlung oder zu meinem freien Tag, aber da ich grade keine Lust auf Diskussionen habe, verlasse ich mich auf die Infos von meinem englischen Kollegen. Sollte es am Ende schlechter kommen als erwartet, habe ich ja jederzeit die Möglichkeit zu gehen. (Ich müsste übrigens ca. eine Stunde ins nächste Dorf gehen, um dann über eine Stunde mit dem Bus in die nächste Stadt mit Bahnhof zu fahren.)

Meine Hütte.
Meine Hütte.
Mein Schlaf-/Wohnzimmer
Mein Schlaf-/Wohnzimmer

20150816_Kuma Kogen 05a

Ich wohne allein in einer der Ferienhütten, da man mir als einziger Frau (außer mir sind nur noch der Manager, der Engländer und ein weiterer Mitarbeiter konstant auf dem Gelände) wohl keinen männlichen Mitbewohner zumuten wollte. Aber ich beschweren mich nicht. Offenbar habe ich es mit der Ausstattung gut getroffen. Da wäre ich ja blöd. Nur Internet in der Hütte wäre prima, zumal der Fernseher nicht funktioniert. So ganz allein oben auf dem Hügel, ist es doch erstmal gewöhnungsbedürftig. Zum Glück habe ich meinen Kindle und die Japanisch-Bücher dabei.
Ich versuche mich dann und wann zu melden, wenn ich so wie heute etwas Zeit vor der Arbeit habe und das Internet im Büro nutzen kann.
(Entschuldigt die schlechte Bildqualität. Ich nehme aber natürlich nicht meine Kamera mit zur Arbeit.)