Ausflug nach Yumoto-Onsen und zum Kegon-no-taki

Der Frühsommerregen ist da. Auf gut Deutsch: Es regnet ununterbrochen. Ich kann nur noch zwischen stark und schwach unterscheiden. Trocken wird es diese Woche wohl nicht mehr geben. Gibt aber Schlimmeres, daher habe ich beide Regenjacken und den Regenschirm eingepackt und bin in den Bus nach Yumoto-Onsen gestiegen. Von Nikko aus, wo ich bis Sonntag übernachte, war das eine Busfahrt von ca. 1,5h und ein Unterschied von ca. 900 Höhenmetern. Während es in Nikko noch ungefähr 15 Grad waren, war es oben doch spürbar kühler. Dafür heißt der Ort aber nicht umsonst Yumoto-Onsen: Aus dem Boden dampft es durch die heißen Quellen unaufhörlich. Der Schwefelgeruch tut dann sein übriges, um sich zu fühlen wie am anderen Ende der Welt.

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Mein persönlicher Guide Herr Tachibana (von dem berichte ich nochmal separat – kuriose Geschichte) hat mich dann weitergeführt Richtung Onsen-ji. Ein Thermaltempel. Hatte ich auch noch nicht gesehen. Ein recht schlichtes Becken, aber echt heiß. An die ca. 45 Grad musste ich mich etwas länger (und mithilfe kalten Wassers) gewöhnen als üblich.

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Im Gemeinschaftsraum, natürlich mit Tatami-Matten ausgestattet, kam es beim Mittagessen dann zu einer Szene, die mich immer wieder zum Schmunzeln bringt: Eine Kanji-Diskussion. Die kleinen Früchte, die man auf dem unteren Bild sieht, heißen Biwa und sind wohl nicht sehr verbreitet. Ich habe sie jedenfalls zum ersten Mal gegessen (lecker!) und habe dann gefragt, wie man sie schreibt. Gemeinschaftlich wurde dann auf der Unterlage nach der richtigen Schreibweise geforscht, bis Google die richtige Antwort geliefert hat. Herrlich.

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Ich bin dann durch den Regen noch zum See gegangen (wenn ich schon mal da bin…) und habe für mich wieder beschlossen, dass Angeln sicher nicht zu meinem Hobby wird.

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Herr Tachibana hat dann den Zwischenstopp Chuzen-ji-Onsen vorgeschlagen, wo wir uns trotz des Regens zum 97 Meter-Wasserfall  Kegon-no-taki aufgemacht haben. Ich habe wegen des Nebels nicht wirklich an eine gute Sicht geglaubt, aber für einen Moment hatten wir ganz gute Sicht. Durch den Starkregen ging es dann zur Bushaltestelle und von dort zurück nach Nikko.

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Wanderung auf dem Nakasendo

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Es ist schon faszinierend, was ich alles in so kurzer Zeit erlebe. Und wie viele Sachen, bei denen ich mir dachte “wäre schon schön” jetzt einfach schon schön waren. Die Wanderung von Magome nach Tsumago auf dem Nakasendo zum Beispiel. Von dem alten Postweg, der Edo (das heutige Tokio) mit Kyoto verband, hatte ich schon im Vorfeld gelesen und auch einige Bilder gesehen. Zuhause dachte ich “wäre schon schön” den mal zu gehen. Da die beiden Dörfer im Kiso-Tal aber gar nicht unbedingt einfach zu erreichen sind, hätte ich nicht gedacht die Wanderung schon im ersten Monat zu unternehmen.
Da ich relativ spontan letzte Woche in Nagoya war (die Busfahrten waren echt günstig und die Unterkunft der Knaller) und selbst nicht so genau wusste, was ich da so unternehmen kann, bin ich zum einen den Ratschlägen, die ich auf Facebook bekam, gefolgt und zum anderen darüber gestolpert, dass ich nach Magome von Nagoya aus nur ca. 90 Minuten brauchte. Da war es abgemacht.
Am Sonntag bin ich also vormittags losgefahren und das Wetter war für mich perfekt: Bedeckt, um die 22 Grad, trocken.
Der Nakasendo ließe sich natürlich auch auf der kompletten Strecke laufen, aber da Magome und Tsumago beide unter Denkmalschutz stehen und der Weg vor allem durch Natur geht und wenig direkt an Straßen, waren die knapp 8 Kilometer genau richtig. Unterwegs traf ich nur auf ein paar wenige Wanderer, obwohl beide Orte am Anfang und Ende der Strecke gut besucht waren. Auf den Bildern kann man die beiden Dörfer übrigens an der Steigung unterscheiden: Magome liegt am Hang und von der Bushaltestelle zum Beginn des Weges geht es schon ordentlich steil hinauf. Tsumago hingegen liegt im Tal und ist nahezu flach.

Enoshima

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Von meiner Unterkunft in Fujisawa aus, war es nicht weit zur Insel Enoshima, die durch einen Damm mit der Stadt verbunden ist. Enoshima war 1964 übrigens das Kiel von Tokio, denn hier war Austragungsort der Segelwettkämpfe der Olympischen Spiele.
Die Insel hat mich an Helgoland erinnert: Offensichtlich viele Tagesbesucher und wenn man irgendwohin möchte, geht es erstmal aufwärts. Die findigen Japaner haben daher zum einen endlose Stufen in den Fels geschlagen und zum anderen drei lange Rolltreppen installiert, die einen natürlich nicht kostenlos von unten nach oben tragen. Da ich mir einen FreePass für den Tag geholt hatte, der die Rolltreppen einschloss, habe ich nach der ersten langen Treppe eingesehen, dass ich die nächsten beiden Etappen mit der Rolltreppe bewältigen sollte, wenn ich noch was vom Tag haben möchte. Die erste Station auf dem Weg zum Aussichtspunkt nach oben, war der Enoshima-Schrein.

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Die weiteren Attraktionen folgten dann weiter oben auf der Insel. Zum einen der Samuel-Cocking-Garden und zum anderen der Aussichts(leucht)turm “Enoshima Sea Candle”. Beides war im Day Pass inbegriffen und gehörte damit zu meinem Programm. Der Garten bot für Freunde von Blumen und Bäumen einiges an Grün.

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Mich zog es dann natürlich relativ direkt zum Aussichtsturm. Auf dem Weg auf die Insel hatte ich in der Ferne den Fuji gesehen – das erste Mal seit meiner Ankunft in Japan. Damit verband ich die Hoffnung ihn von dort oben noch besser sehen zu können. Die Aussicht oben war dann auch nicht schlecht, aber der Fuji war wieder “schüchtern” wie es hier so schön heißt und auf den Bildern kann man ihn jetzt nur noch schwach erkennen. Außerdem war die Linse dreckig. Pech.

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Das Highlight kam dann überraschenderweise noch. Entsprechend meines Day Pass’ folgte ich dem Besucherschwarm wie ein Lemming und landete am Fuße der anderen Seite Enoshimas. Dort war durch einen Vulkanausbruch vor etlichen Jahrhunderten eine markante Felsküste entstanden. In zwei der Höhlen befinden sich heilige Stätten, die schon vor zwei Jahrhunderten Besucher nach Enoshima zog.

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Die Schleswig-Holsteinerin in mir, konnte natürlich beim Anblick des Wassers nicht einfach zum Bootsanleger laufen, sondern blieb ebenso wie einige andere noch eine ganze Weile an diesem “Strand”.

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Kamakura

Seit Montag bin ich raus aus Tokio. Ich habe die Stadt mit ihren unendlichen Möglichkeiten sehr genossen und das zum ersten Mal mit Zeit. (Sonst blieben nur ein bis zwei Tage zwischen den Programmpunkten des Austauschs.) Nach zwei Wochen ist es jetzt aber auch nicht verkehrt, endlich das Meer zu sehen. Ich bin jetzt in Fujisawa, einer Nachbarstadt von Kamakura. Da die Züge von Tokio aus regelmäßig in diese Richtung fahren, war es einfach herzukommen und durch die rechtzeitige Anreise blieb mir noch der ganze (warme) Tag, um die ersten Highlights in Kamakura anzufahren. Gefahren bin ich mit dem hiesigen Wahrzeichen, der “Enoden“-Linie, Fujisawa selbst profitiert nämlich eher von Strand und Meer als von kulturellen Highlights.

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Zuerst habe ich mir den Daibutsu angesehen. Die 11.4 Meter hohe Statue eines Amida-Buddhas sitzt seit mehreren hundert Jahren hier im Freien, weil ihm 1495 durch einen Tsunami die Halle drumherum weggespült wurde. Entgegen meiner Annahme ist die Statue übrigens nicht massiv, sondern von innen hohl. Verrückt, wie das damals schon gebaut werden konnte.

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Quasi um die Ecke vom Daibutsu steht der Hase-dera, ein buddhistischer Tempel mit einer wirklich sehr schönen Gartenanlage, vielen Stufen und einer guten Aussicht über die Bucht von Kamakura. Bekannt ist der Hase-dera (auszusprechen übrigens mit scharfem S) aber vor allem wegen seiner elfköpfigen Kannon-Statue, die 9 Meter hoch ist. Einer Legende zufolge hat im Jahr 721 der Mönch Tokudo Shonin bei Hase/Nara einen riesigen Kampferbaum, aus dessen Stamm er zwei dieser Statuen schnitzte (oder schnitzen ließ). Die Figur aus der unteren Hälfte wurde in Nara aufgestellt. Die Statue, die jetzt in Kamakura steht, wurde aus dem oberen Teil geschnitzt und in der Nähe des heutigen Osaka ins Meer geworfen, um Menschen zu retten wo auch immer sie angespült werden würde. 15 Jahre später wurde sie dann in der Nähe von Kamakura gefunden und ihr zu Ehren der heutige Hase-dera errichtet. Heute gehört der Tempel zu den 33 heiligen Stätten in der Kanton-Region. Da in den Gebäuden keine Fotos erlaubt waren, müsst ihr für Einsichten selbst herkommen (oder mal Google fragen).

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Den Nachmittag habe ich dann in der “Innenstadt” von Kamasutra verbracht. Ich zog ein bisschen durch die Gassen, aß Mittag und machte mich dann auf zum Shinto-Schrein Tsurugaoka Hachiman-gu. Nachdem ich durch den Hase-dera bereits mein erstes Treppenstufen-Training hatte, folgte jetzt die zweite Einheit. (Und es sollte nicht die letzte bleiben.) Normalerweise hätte ich oben angekommen nicht nur den Schrein sehen können, sondern auch eine “von Kiefern gesäumte zentrale Promenade, die zur Küste führt”. Die gab’s nicht. Dafür einen Bauzaun. Aber die drei roten Torii waren trotzdem gut zu sehen.

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Wochenrückblick

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Die erste Woche ist rum. Verrückt. Es ist unglaublich, was man in sieben Tagen erleben kann, wenn man nicht zuhause im üblichen Trott zwischen Büro, Wohnung und Supermarkt verkehrt.
Ehrlich gesagt, war ich zwischendurch aber auch ein bisschen satt. Satt von den vielen Menschen, von den vielen Autos, Bahnen, Schildern und Häusern, von den vielen Stimmen und Geräuschen, vom ewigen Umrechnen und Nachfragen. Das wird mir bestimmt wieder passieren, aber es ist okay.

Grade die ersten paar Tage waren härter als gedacht. Der Jetlag hatte mich ganz schön im Griff und da habe ich mir schon die Frage gestellt, warum ich genau nochmal hier bin und was ich mir eigentlich dabei gedacht habe. Diese Fragen sind verflogen. Grade der gestrige Samstag hat mich sehr zuversichtlich gestimmt, dass alles gut wird und ich hier richtig bin. Irgendwann klappt es dann auch mit einem Job. So lange gönne ich mir einfach das Land und seine Leute.

Bis Freitag werde ich noch in Tokio bleiben. Vielleicht wird sich bis dahin die große Aufgabe SIM-Karte gelöst haben. Ich bin gespannt. (Immerhin habe ich es schon geschafft meinen Führerschein übersetzen zu lassen. Das hatte ich mir tatsächlich schwieriger vorgestellt.)

Was danach passiert, wird sich im Laufe der Woche ergeben. Vielleicht Kamakura, vielleicht Nikko. Ab dem 21. Juni werde ich dann in der Präfektur Gunma das erste Mal Wwoofen – also im Austausch für Arbeit, Kost und Logis erhalten. Ich bin gespannt.

Heute habe ich mich mit einer Freundin getroffen, die ich 2006 beim Sportjugend-Austausch kennengelernt habe. Wir waren Okonomiyaki und Monjya essen, was mal wieder ein Erlebnis für sich war. In Tsukishima gibt es eine Straße, die gesäumt ist von Restaurants mit entsprechenden Angeboten. Frei nach dem Motto “Konkurrenz belebt das Geschäft”. Nach dem Essen haben wir einen längeren Spaziergang unternommen, der uns letztendlich nach Odaiba gespült hat.

Auf dem Weg ist übrigens das Foto mit den tanzenden Mädchen entstanden.

Erster Abend in Akihabara (Tokyo)

Nach einer Woche im First Cabin Tsukiji habe ich heute die Unterkunft gewechselt. Aus einem bescheidenen Zimmer wurde eine Kapsel im 20er Schlafraum (POD). Ich bin also auf der Komfortleiter ein, zwei Stufen abgestiegen, dafür ist die Übernachtung hier natürlich günstiger. Das Grids Hostel Lounge Akihabara hat erst vor wenigen Wochen aufgemacht, liegt sehr gut und das Bistro im Erdgeschoss macht einen guten Eindruck. Heute Abend habe ich aber erstmal die Umgebung erkundet.

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Hama-rikyu Garten, Chuo, Tokyo

Der Jetlag hatte mich ganz schön im Griff. Offenbar hat mir das sonst straffe Programm und die Gruppe geholfen da besser mit klar zu kommen. Jetzt saß/sitze ich aber ganz schön damit zu. Da ich letzte Nacht nur wenig bis gar nicht schlafen konnte, war ich entsprechend gerädert als ich von der netten Reinigungskraft geweckt wurde. Fast erstaunlich, dass ich in der Folge nirgendwo gegen gelaufen bin.

20150518_Tokyo Tsukiji äußerer Fischmarkt 2 Zum Beispiel gegen Menschen oder diese gelben Flitzer (Tarret) auf dem äußeren Tsukiji-Fischmarkt an dem ich auf dem Weg zum Hama-rikyu Garten vorbeikam.

Der Hama-rikyu Garten (Hama-rikyu Onshi-teien) war einst Pferdestallung und Jagdrevier des Tokugawa-Clans und bietet heute den Büro-Angestellten einen schönen Platz für ihre Mittagspause. Ich bin eine entspannte Runde gegangen, bin dabei langsam wach geworden und habe mir zwischendurch ein schattigen Plätzchen für die Tagesplanung gesucht.

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Da ich in Tokyo noch nie mit dem Boot unterwegs war und der Park eine Anlegestelle für Wasserbusse hat, entschied ich mich für einen Ausflug nach Odaiba.