Wochenrückblick

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Die erste Woche ist rum. Verrückt. Es ist unglaublich, was man in sieben Tagen erleben kann, wenn man nicht zuhause im üblichen Trott zwischen Büro, Wohnung und Supermarkt verkehrt.
Ehrlich gesagt, war ich zwischendurch aber auch ein bisschen satt. Satt von den vielen Menschen, von den vielen Autos, Bahnen, Schildern und Häusern, von den vielen Stimmen und Geräuschen, vom ewigen Umrechnen und Nachfragen. Das wird mir bestimmt wieder passieren, aber es ist okay.

Grade die ersten paar Tage waren härter als gedacht. Der Jetlag hatte mich ganz schön im Griff und da habe ich mir schon die Frage gestellt, warum ich genau nochmal hier bin und was ich mir eigentlich dabei gedacht habe. Diese Fragen sind verflogen. Grade der gestrige Samstag hat mich sehr zuversichtlich gestimmt, dass alles gut wird und ich hier richtig bin. Irgendwann klappt es dann auch mit einem Job. So lange gönne ich mir einfach das Land und seine Leute.

Bis Freitag werde ich noch in Tokio bleiben. Vielleicht wird sich bis dahin die große Aufgabe SIM-Karte gelöst haben. Ich bin gespannt. (Immerhin habe ich es schon geschafft meinen Führerschein übersetzen zu lassen. Das hatte ich mir tatsächlich schwieriger vorgestellt.)

Was danach passiert, wird sich im Laufe der Woche ergeben. Vielleicht Kamakura, vielleicht Nikko. Ab dem 21. Juni werde ich dann in der Präfektur Gunma das erste Mal Wwoofen – also im Austausch für Arbeit, Kost und Logis erhalten. Ich bin gespannt.

Heute habe ich mich mit einer Freundin getroffen, die ich 2006 beim Sportjugend-Austausch kennengelernt habe. Wir waren Okonomiyaki und Monjya essen, was mal wieder ein Erlebnis für sich war. In Tsukishima gibt es eine Straße, die gesäumt ist von Restaurants mit entsprechenden Angeboten. Frei nach dem Motto “Konkurrenz belebt das Geschäft”. Nach dem Essen haben wir einen längeren Spaziergang unternommen, der uns letztendlich nach Odaiba gespült hat.

Auf dem Weg ist übrigens das Foto mit den tanzenden Mädchen entstanden.

Erster Abend in Akihabara (Tokyo)

Nach einer Woche im First Cabin Tsukiji habe ich heute die Unterkunft gewechselt. Aus einem bescheidenen Zimmer wurde eine Kapsel im 20er Schlafraum (POD). Ich bin also auf der Komfortleiter ein, zwei Stufen abgestiegen, dafür ist die Übernachtung hier natürlich günstiger. Das Grids Hostel Lounge Akihabara hat erst vor wenigen Wochen aufgemacht, liegt sehr gut und das Bistro im Erdgeschoss macht einen guten Eindruck. Heute Abend habe ich aber erstmal die Umgebung erkundet.

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Hama-rikyu Garten, Chuo, Tokyo

Der Jetlag hatte mich ganz schön im Griff. Offenbar hat mir das sonst straffe Programm und die Gruppe geholfen da besser mit klar zu kommen. Jetzt saß/sitze ich aber ganz schön damit zu. Da ich letzte Nacht nur wenig bis gar nicht schlafen konnte, war ich entsprechend gerädert als ich von der netten Reinigungskraft geweckt wurde. Fast erstaunlich, dass ich in der Folge nirgendwo gegen gelaufen bin.

20150518_Tokyo Tsukiji äußerer Fischmarkt 2 Zum Beispiel gegen Menschen oder diese gelben Flitzer (Tarret) auf dem äußeren Tsukiji-Fischmarkt an dem ich auf dem Weg zum Hama-rikyu Garten vorbeikam.

Der Hama-rikyu Garten (Hama-rikyu Onshi-teien) war einst Pferdestallung und Jagdrevier des Tokugawa-Clans und bietet heute den Büro-Angestellten einen schönen Platz für ihre Mittagspause. Ich bin eine entspannte Runde gegangen, bin dabei langsam wach geworden und habe mir zwischendurch ein schattigen Plätzchen für die Tagesplanung gesucht.

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Da ich in Tokyo noch nie mit dem Boot unterwegs war und der Park eine Anlegestelle für Wasserbusse hat, entschied ich mich für einen Ausflug nach Odaiba.

Miraikan und Odaiba Seaside Park, Tokyo

Odaiba war bei meinen letzten Aufenthalten nie eine wirkliche Option. Zu weit weg und immer erst wieder auf dem Weg zum Flughafen auf dem Radar, weil wir an den markanten Gebäuden und dem Riesenrad vorbeikamen. Als ich im Garten über meine Tagesplanung nachdachte, machte ein Ausflug dort “rüber” irgendwie Sinn. Der Schweinehund Müdigkeit lässt sich bei mir immer noch am besten durch Bewegung und viel Neues bekämpfen. Dafür ging es zuerst mit einem “normalen” Wasserbus zum Hinode-Pier und von dort mit der futuristischen Hotaluna zum Odaiba Seaside Park.

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Von dort wollte ich zu Fuß möglichst schnell zum Miraikan kommen, das auch am heutigen Montag geöffnet hatte. Also direkt einen Japaner gefragt, der irgendwie offiziell aussah. “About ten minutes, go straight, then left.”. Gesagt. Getan. Nach zehn Minuten dann den nächsten gefragt, weil immer noch kein Miraikan zu sehen war. Selbe Antwort. Offenbar ist mein “zügig gehen” eher Schildkrötentempo oder aber… Nein. Es wird so sein. Nach weiteren zehn Minuten bin ich jedenfalls am Ziel angekommen: Miraikan, das Nationalmuseum für Wissenschaft & Innovation. Toll!

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Asimo ist ein toller Typ. Faszinierend. Wie so einiges unter diesem Dach. Beim Rausgehen stand ich mit zwei Herren im Aufzug, die aus dem Forschungstrakt kamen. Die sahen zufrieden aus mit sich und ihrer Arbeit. Vielleicht haben sie sich aber auch einfach nur über den Feierabend gefreut. Wer weiß.

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Zurück Richtung Seaside-Park hatte ich es jetzt deutlich entspannter. Und kürzer. Dafür hatte ich jetzt Hunger. Was sich ganz gut traf, weil es dort mal wieder zig Restaurants zur Auswahl gab. Meine Wahl war letztlich lecker, aber zu wenig und ohne gute Aussicht. Hätte ich schöner haben können, habe ich aber erst auf dem Weg zur Metro gesehen. In der Metro selbst habe ich dann zwar noch was sehen können, aber das bunt beleuchtete Riesenrad und die vielen Lichter der Häuser von Odaiba müsst ihr Euch jetzt denken. Ich kam nämlich offensichtlich zur Feierabendzeit in die Bahn. Von der Station Shimbashi bin ich dann via Ginza zurück zum Hotel.

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Ich kann nichts dagegen tun, aber ich mag diese vielen Lichter. Manchmal. So wie momentan zum Beispiel. Bald geht’s aufs Land, da kann ich dann auch wieder Sterne sehen. Die mag ich eh lieber.

Sky Lounge, Shibuya Hikarie

Der Hikarie Wolkenkratzer in Shibuya befand sich bei meinem letzten Besuch in Tokyo 2013 noch im Bau. Jetzt steht er da bereits als wäre er schon immer dort gewesen. Noch hat man von der Sky Lounge im 11. Stock einen guten Blick auf die berühmte Shibuya Kreuzung, aber bis 2027 soll sich das ändern. Bis dahin soll die Vision vom neuen Shibuya, die bereits in einem Glaskasten als Modell zu betrachten ist, realisiert worden sein.

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Shibuya 2027

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Shibuya Ohara Matsuri, Shibuya, Tokyo

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(Mitbekommen heißt hier, ich habe wahrgenommen, dass nach Nennung eines Namens jeweils eine Gruppe sich selbst gefeiert hat. Da in meinen Augen alle ziemlich gleich getanzt haben, kann ich aber nicht sagen, wer da was wofür gewonnen hat. Deswegen saßen zum Glück andere in der Jury.)

Sanja Matsuri, Asakusa, Tokyo

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Der große Umzug findet samstags ab Mittag statt, aber auch heute am Sonntag, war ganz ordentlich was los. Insgesamt sollen ca. 2 Millionen Besucher dem Spektakel einen Rahmen geben, bei dem Mikoshi (tragbare Schreine) auf den Schultern der Nachbarschaftsgemeinschaften (Ujiko) durch den Stadtteil Asakusa getragen werden. Ausgangspunkt ist dabei der Asakusa Schrein, der zu den Hauptattraktionen Tokyos gehört.

Der tätowierte Herr dürfte übrigens zur Yakuza  gehören. Er war nicht der einzige Teilnehmer, der auffällig tätowiert war – zumindest in der Kleidung kann man da bei vielen nicht mehr von dezent sprechen.