Fernweh: Ryoanji Tempel in Kyoto

Heute kam die Absage für die Stelle auf die ich so gehofft hatte. Am Ende wird es alles seinen Sinn haben, aber die Rückschläge bis dahin machen echt keine Freude. Mittlerweile sind meine Stehaufmännchen-Qualitäten gut geschult und so zieh ich mich mit der bewährten „Fernweh“-Methode wieder hoch. So nehm‘ ich euch heute wieder mit nach Japan. Genauer: In den Ryoan-ji Tempel in Kyoto. Die Statue oben verrät schon, dass es sich dabei um einen buddhistischen Tempel handelt und zugleich um einen mit Garten, der mit seinem Teich schon allein einen Besuch wert wäre.

Allerdings ist der Ryoan-ji, was so viel wie „Tempel des friedlichen/zur Ruhe gekommenen Drachen“ bedeutet, nicht in erste Linie für die grüne Gartenanlage bekannt, sondern für seinen Steingarten. Er gilt als der bekannteste seiner Art in Japan und zugleich Teil des UNESCO Weltkulturerbes „Baudenkmäler und Gärten der Kaiserstadt Kyoto“ – dementsprechend ist der touristische Zulauf. Obwohl deshalb empfohlen wird möglichst in der Nebensaison unter der Woche früh am Morgen zu kommen, haben wir uns erst nach dem Besuch des Kinkaku-ji (Goldener Pavillon) gegen Mittag auf den Weg gemacht. Dank Hochsommer war der Andrang nicht allzu hoch und mit uns waren nur Amerikaner, Chinesen und wenige Japaner dort ( – unsere Dolmetscherin sagte mal, dass Japaner sich hüten zu der Jahreszeit zu viel draußen zu sein).

Der von einer Mauer umgebene Steingarten, der mit 10 x 25 Metern nur ungefähr so groß ist wie ein Tennisplatz, wird dem Zen-Mönch Tokuho Zenketsu zugeschrieben, der ihn um 1500 kreiert haben soll. Mit den 15 Steinen, die von keiner Position aus gleichzeitig zu sehen sind, wird es jedem Betrachter ermöglicht in sich selbst zu versinken. Es gibt keine Erklärung – weder zu den Steinen noch zur Anordnung, auch wenn manche Reiseführer das Gegenteil behaupten und bspw. von Inseln im Meer schreiben. Im Flyer des Tempels heißt es: „It is up to each visitor to find out for himself what this unique garden signifies. The longer you gaze at it, the more varied your imagination becomes. This rock garden surrounded by low earthen walls may be thought of as the quintessence of Zen art.“ 

Einer meiner Gastväter brachte den (Zen-) Buddhismus einmal treffend auf den Punkt: „Sitting alone. Thinking by heart.“ Sollte ich noch einmal die Gelegenheit zum Besuch haben, werde genau das tun. Morgens. In aller Ruhe.

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