Adventspost: Die 22

Mein Beitrag zur Adventspost. Die 22.
Mein Beitrag zur Adventspost. Die 22.

Wie ich hier schon einmal berichtet habe, durfte ich Teil der Adventspost-Aktion von Müllerin Art und Tabea sein. Mit dem 22.12., sollten alle Teilnehmer meinen Beitrag erhalten. Da ich am Dienstag dummerweise ohne mein Material in den Norden aufgebrochen bin, mit dem ich ursprünglich etwas ganz anderes basteln wollte, musste ich improvisieren. Papier und Stift. Mehr gab’s nicht.

Das Ergebnis sind kurze Geschichten, die am Mittwoch in Einzelteile zerlegt den Weg in alle Himmelsrichtungen angetreten sind. Die Idee dahinter: Es müssen nicht immer Maria und Josef sein, um vom Geist der Weihnacht zu erzählen. Für mich spielen sich viele kleine Geschichten ab, die von Familie und dieser ganz besonderen Stimmung erzählen. Auf einmal ist da Dankbarkeit, Zusammenhalt und das Auge, das zugedrückt wird, eine helfende Hand oder der Mensch, den man so lange nicht gesehen hat. Weil jeder immer wieder Teil einer kleinen Geschichte ist, habe ich sie aufgeteilt und jeder bekommt sein Stück einer Weihnachtsgeschichte.Da jeder nur einen Teil einer Geschichte hat, gibt es hier die ganzen Geschichten:

Weihnachtsbäckerei. Mehl, Milch, Zucker und ganz viel Butter. Nüsse dürfen nicht fehlen. Schokofinger und bunte Streusel. Allüberall auf dem Boden, Tisch und Fingerspitzen. Der Teig landet nicht nur geformt auf dem Blech und im Ofen, sondern auch zur ständigen Qualitätskontrolle in Papa’s Bauch. Im ganzen Haus riecht es nach den leckeren Werken und wenn sich Verbranntes unter das wohlig Warme mischt, springen alle herbei um festzustellen, dass es einen erwischt hat, der zu dünn geraten war. Der Rest wird zum Adventstee probiert. Puuh… alle Jahre wieder.

Als sie sich das letzte Mal gesehen haben war Mathilde gerade alt genug um ihr erstes Gedicht vorzutragen: „Wiehnachsmann, kiek mi an. Lüttje Deern, bin ick man. Veel to seggen hebb ick nich. Wiehnachsmann, ferget mi nich.“. Mittlerweile hatte sie fast Abitur und selbst entschieden, dass es Zeit wurde Weihnachten bei ihrem Vater zu verbringen. Dank Skype hatten sie in den vergangenen Monaten zueinandergefunden und es ergab sich wie von selbst, dass sie sich auf den Weg machte. München war ihr nur aus dem Fernsehen bekannt, aber zumindest sollte dort Schnee liegen. Es würde also zumindest etwas Gutes haben. Am Flughafen wartete ihr Vater. Es stand nichts zwischen ihnen außer Nervosität und Unsicherheit. Keine Vorwürfe. Stattdessen unbändige Neugierde auf den anderen. Dass er im Gefängnis saß, war auf einmal egal.

Letzter Schultag vor den Weihnachtsferien. Die Schüler in der ersten Klasse erzählen sich aufgeregt, was ihnen der Weihnachtsmann bringen soll, während sie sich auf das Krippenspiel vorbereiten. Die Maria heißt eigentlich Fatima und darf den 24.12. bei ihrer besten Freundin verbringen. Bisher hat sie Weihnachten nie gefeiert, aber dieses Jahr darf sie sich alles genau angucken. Ihre Freundin war dafür beim Fastenbrechen dabei. Man lernt nicht nur in der Schule fürs Leben. Langsam versammeln sich auch die anderen Klassen der Schule in der geschmückten Turnhalle. Es duftet nach frisch gebackenen Plätzchen der 4. Klasse und der Hausmeister atmet ob der schneematschigen Stiefel in seiner Halle tief durch. Immer wieder. Schließlich ist Weihnachten. Die 3. Klasse versammelt sich auf der kleinen Bühne. Es wird ruhig. Alle stimmen ein: „Stille Nacht. Heilige Nacht.“

Die Schlei ist zugefroren. So richtig. Die Eissegler dürfen auf die vereisten Fläche und auf der Möweninsel wird eine Punschbude aufgebaut, damit die Spaziergänger, die von allen Seiten dick eingemummelt auf die Insel zuströmen, sich ein wenig wärmen können. Es wird geklönt und geschnackt. Über das fette Weihnachtsessen, die vielen Geschenke, den schönen und kalten Schwahlmarkt, der immer wieder Atmosphäre im Dom schafft, die es nur zur Adventszeit gibt. Auf dem Eis vergnügen sich die Kinder bei einer wilden Verfolgungsjagd um die Insel und werden immer wieder ermahnt. Große Geschwister ziehen die Kleinen im Schlitten hinter sich her und zeigen auf die irritierten Möwen, die auf Leckereien hoffen. Weiter draußen freuen sich die Eissegler auf der Großen Breite: Ihr Revier. Freie Flächen bis nach Fleckeby. Der Wind pfeift in den Ohren. Auch das ist Winter. Hier zumindest.

Die stille Jahreszeit. Waldspaziergang zur blauen Stunde: Manchmal hört man Äste knacken oder ein Tier durchs Unterholz flüchten. In der Hütte wartet warmer Tee auf uns und der Kamin wärmt unsere kalten Füße. Die Kinder sind nicht müde und begeben sich in die nächste Schneeballschlacht, die der Jüngste lachend anzettelt. Später gibt es Förtchen und warmen Kakao. Wenn es draußen stockduster ist, lauschen wir in die Dunkelheit. Die vierte Kerze brennt als nächstes und die Plätzchen backen im Ofen: Kokosmakronen, Zimsterne, Schneeflocken, Teekuchen, Springerle und Pfefferkuchen machen den Abend perfekt.

Schneeballschlacht, Plätzchen backen, vor dem Kamin sitzen, mit der Familie das Wetter genießen und mit warmen Socken warten, es wird früher dunkel und später hell, manchmal knacken Aäste und der Schnee knirscht unter den festen Stiefeln, es ist Winter, eisekalt, die stille Jahreszeit.

Ich bin nicht zufrieden, wollte aber vermeiden, dass es die 22 gar nicht gibt. Euch allen einen schönen 4. Advent!

Liebe Grüße, Anna-Lena

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6 Comments

  1. was wäre es schön, wir könnten uns nun alle treffen könnten und die geschichten zusammenpuzzeln ;) eine schöne idee von dir. ich wünsche dir und deinen lieben angenehme weihnachtstage! herzliche grüße und bis balde . tabea

  2. liebe anna-lena, dein kärtchen ist gut angekommen und für ein „improvisiert“ gar nicht so schlecht. schöne Idee mit den weihnachtsgeschichten. und super schöne Idee von tabea…alle mal treffen. ja. das wärs doch.
    ich wünsche dir schöne weihnachtstage mit familie und freunden.
    alles liebe mickey

    1. Vielen lieben Dank! Das freut mich ehrlich.
      Ich hoffe, du hattest auch einen schönen Heiligabend und kannst die nächsten Tage genießen. Frohe Weihnachten!

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