Über das Brennen

Wie ich ja angekündigt hatte, war ich letzten Dienstag zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen (Danke, fürs Daumen drücken!). Der Termin stand schon länger fest und ich hatte dementsprechend Zeit mich vorzubereiten. Nur auf einige Fragen kann man sich nicht vorbereiten, dachte ich jedenfalls. Im Ergebnis bin ich von dem Unternehmen nach wie vor begeistert und ein Praktikum wäre toll – wäre da nicht meine Unzufriedenheit mit mir selbst an dem Tag.

Ich war pünktlich, fühlte mich in meiner Kleidung wohl und war fit. Allerdings war meine Vorbereitung für die Katz, weil ich im Laufe des Gesprächs immer mehr das Gefühl hatte, ich schwimme. Wieder einmal fehlte meinem Lebenslauf das Profil, wieder einmal wurde nicht klar, was ich will und wieder einmal konnte ich die Frage, wofür ich brenne, nicht zufriedenstellend beantworten. Zumindest sagt mir das mein Gefühl (und die Tatsache, dass das nicht die erste Absage aus einem der Gründe wäre).

Das Problem liegt auf der Hand, denn ich weiß auch nach einem Jahr Arbeitslosigkeit nicht, wo mein Weg hinführen soll. Ich habe gute Bewerbungsgespräche gehabt und habe mit nicht nur einer Stelle so sehr geliebäugelt, dass ich nach der Absage erstmal wieder aufstehen musste. Mittlerweile gehe ich mit Absagen etwas gelassener um, was die Suche aber nicht leichter macht. Bisher hat sich immer alles zu meinem Gunsten gefügt und ich habe den Glauben daran auch noch, aber ich glaube auch, dass es mir mein Leben um einiges erleichtern würde, wenn mir die Richtung klar wäre.

Wofür schlägt mein Herz? In welchen Momenten, bzw. bei welcher Tätigkeit, befinde ich mich im viel beschworenen Flow? Diese Fragen lassen mich seit Dienstag nicht los.

Wenn ich überlege, wann ich das letzte Mal in meinem Tun so richtig aufgegangen bin, mich währenddessen glücklich und ausgefüllt fühlte und schlussendlich stolz war auf mich, dann befinden wir uns im Juli/August 2012. Ich war hauptverantwortlich für die Planung und Durchführung einer Hilfsaktion, die einer Gruppe Jungs aus Nordjapan zehn Tage Spaß und Erholung bringen sollte. Das klingt nüchterner als es war, mir fehlen nur einfach die Worte um diese Zeit zu beschreiben. Diese ganze Aktion hat mir mindestens so viel gegeben, wie den elf Japanern und ich werde lange davon zehren. Vom Stemmen der Finanzierung, der grandiosen und vielfältigen Unterstützung, dem Team, über die Durchführung bis zu der einmaligen Gruppe, die wir willkommen heißen und erleben durften – es war einfach perfekt. Ein Zahnrad griff ins nächste und die Krönung war der Abschlussabend an dem wir alle einfach nur dankbar waren. Ich habe lange nicht mehr so viel und herzlich gelacht, habe Tage so genossen und bin so kaputt und zufrieden ins Bett gefallen. Es war eine einzige Freude und mir geht grade schon wieder das Herz auf, wenn ich daran denke.

Was genau hat aber für dieses Feuer gesorgt? Wofür habe ich da eigentlich gebrannt?

  • Sicherlich ist der Wunsch zu helfen ein wichtiger Pfeiler, aber es steckt noch mehr dahinter, u. a.: Ich hatte eine Aufgabe von deren Richtigkeit ich überzeugt war und für deren Umsetzung ich die Werkzeuge beherrschte. Ich hatte ein Ziel.

Nun soll aber die Hilfsaktion im letzten Jahr nicht der letzte Höhepunkt in meinem Leben gewesen sein und ich habe mich an diese vermaledeite „Aktivierungsmaßnahme“ der Arbeitsagentur erinnert. Mich darüber aufzuregen und was man in der Hinsicht für alle Beteiligten sicher verbessern kann, spar ich mir und euch, aber ich habe für mich auch zwei Sachen mitgenommen.

Eine Aufgabenstellung war das Protokollieren von Tätigkeiten über einen längeren Zeitraum. Das habe ich aufgrund einer akuten Verweigerungshaltung nicht getan, aber ich habe mich selbst etwas beobachtet und geschaut, welchen Tätigkeiten (abgesehen vom Bewerben) ich während der vielen freien Zeit nachgehe. Dabei kamen wenig überraschend Dinge wie Bücher lesen, Blog hüpfen, und Musik hören bei raus. Allerdings bin ich in der Zeit auch viel spazieren gegangen (bzw. war ich nordic walken). Dabei bin ich aber kaum zwei Mal die selbe Strecke gegangen, sondern habe immer wieder versucht Neues zu entdecken, um mich nicht nur körperlich fit zu halten. In die gleiche Richtung spielt der Besuch von vielen Museen und neuen Orten.

  • Ich mag keine Langeweile und keinen Stillstand. Wenn mir etwas auffällt gehe ich näher ran, beobachte und hinterfrage. Ich bin neugierig.

Die zweite Sache, die ich (nicht zum ersten Mal) festgestellt habe: In dieser Maßnahme saßen ca. 25 Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen. Ich finde es unglaublich spannend Lebensgeschichten zu erfahren, Motivationen und Talente kennenzulernen und Potential zu entdecken. Nicht erst dort, sondern schon bei der Awo oder in der Jugendarbeit zuvor habe ich das geliebt: gelebter Geschichte zu lauschen und junge Menschen dabei zu beobachten, wie sie in etwas aufgehen und eigene Stärken entdecken.

  • Ich mag Menschen. Ich glaube in jedem steckt eine Wundertüte, die nur ausgepackt werden muss.

Sicherlich würde mir noch mehr einfallen, aber wichtige Punkte sind genannt:

  • Ich brenne, wenn ich ein Ziel vor Augen habe, von dessen Richtig- und Wichtigkeit ich überzeugt bin – dann bin ich auch dazu in der Lage Menschen mitzureißen.
  • Ich brenne, wenn ich Potential sehe, dass entfaltet werden kann – bei Menschen, bei Geschäften, Einrichtungen oder Design und Verpackungen – und werde wütend, wenn insbesondere Kinder, Alte oder soziale Einrichtungen durch Ungerechtigkeiten daran gehindert werden.
  • Ich brenne, wenn ich Neues entdecke/erfahre. Dabei ist es erstmal egal, ob es sich um ein Ereignis anno 1492 handelt, einen neuen Weg oder eine Lebensgeschichte. 
  • Ich bin neugierig, empathisch, hilfsbreit, zupackend und denke gerne quer. 

Aber was mache ich damit? Wohin führt mich diese Erkenntnis?

Ratlose Grüße, Anna-Lena

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5 Comments

  1. Stark, wie selbstreflektiert du bist, auch wenn es vielleicht ein wenig durch den Druck von außen geschehen ist. Lass diese Erkenntnis doch erst einmal wirken. Ich bin mir sicher, es kommt genau die richtige Aufgabe auf Dich zu.
    Liebe Grüße

  2. „Das Leben ist eine Kunst und die Kunst ist ein Irrgarten. Falsch abbiegen ist richtig denn das Ziel ist im Weg.“
    So glaube mir, Du wirst den Weg durch den Irrgarten der sich Leben nennt finden, auch wenn sich das Ziel gut versteckt. Das wird es nicht nur jetzt tun, sondern noch öfter in Deinem Leben. Ziele wollen erkämpft und erkundet werden, es geht allen so, die sich auf diese Pilgerreise begeben haben. Mit allem was Dich zum Brennen bringt, wirst Du deinen Weg finden und gehen. Deine Neugierde, die Erkenntnissuche, dein Glaube an das Gute wird Dich leiten. Du wirst viel Neues entdecken, Gutes und Schlechtes, das gehört dazu. Doch lass Dich nicht irritieren, versuche die Zweifel hinter Dir zu lassen, denke positiv. Du wirst stärker und Dir selbst klarer und Du wirst Dich durch deine Suche dorthin bringen, wo Du Dich mit all deine Stärken einbringen kannst, da bin ich mir sicher.
    Sei nicht ratlos sondern Glaube.

  3. Toll, wie Du Deine Gedanken aufgeschrieben und mit uns geteilt hast. Ich finde, Du bist schon auf Deinem Weg. Mit jedem weiteren Schritt wird Dir das Ziel klarer.
    Alles Liebe
    Gabs

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