Fundstück: Kapital (J. Lanchester)

Rohinka hatte ein kleines böses Geheimnis: Manchmal, wenn sie mit Fatima und Mohammed einkaufen ging, schaute sie die Leute an, die keine Kinder hatten, und dachte: Ihr habt nicht die geringste Ahnung, worum es im Leben geht. Ihr habt keinen blassen Schimmer. Das Leben mit Kindern ist das Leben in Farbe, und das Leben ohne Kinder ist nur Schwarz-Weiß. Sogar in den Momenten, wenn es furchtbar anstrengend ist – wenn Mohammed im Supermarkt im Einkaufswagen sitzt und die Joghurtbecher aufreißt und Fatima mich anbrüllt, weil ich es ihr an der Kasse nicht erlaubt habe, ein paar Süßigkeiten mitzunehmen, während ich selbst so müde bin, dass meine Augen brennen, und ich meine Tage habe und mir der Rücken davon schmerzt, die Kinder durch die Gegend zu tragen und die Regale im Laden aufzufüllen, und jeder mich anstarrt, weil ich eine so schlechte Mutter bin, selbst dann ist es besser als Schwarz-Weiß.

aus: „Kapital“ von John Lanchester, aus dem Englischen von Dorothee Merkel

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s