Matsuyama. Tag 2 und 3

20150820_Fahrt nach Matsuyama 20150820_Fahrt n Matsuyama
Gleich vorweg: Heute wird es lang. Verzeihung.
Und: Mir geht’s so gut!

Oben zwei Bilder von der Busfahrt, auf der es mir so gut ging, wie schon einige Zeit nicht mehr. Nach einer Woche Kampf mit mir selbst, ob ich wirklich drei Monate so weit ab vom Schuss verbringen möchte, um dort Arbeit zu machen, die mir wirklich keinen Spaß macht. Eine Woche allein in einer Hütte schlafen, mit Plumpsklo, ohne Internet und dem komischen Gefühl, dass mich stundenlang niemand vermisst, wenn ich mich nicht rühren könnte. Jede Menge Kopfkino, schlechten Schlaf und selbst das Essen hat nicht geschmeckt.
Nach einem längeren Telefonat mit dem Lieblingsbayer, in dem wir finanzielles wie emotionales Soll und Haben abglichen, uns nochmal überlegt haben, warum ich durch Japan reise und was eigentlich wichtig ist, war klar, dass ich „da“ nicht „durch muss“. Mit der Rückendeckung fiel es deutlich leichter die Entscheidung zu kündigen zu treffen. Der englische Kollege hat noch versucht mich davon zu überzeugen, dass ich das als Herausforderung nehmen solle und er es falsch finde, dass ich „aufgebe“, aber für mich fühlte sich der Weggang so komplett richtig an, dass ich für die Einwände immun war.
So geht es also weiter. Mit ein wenig verdientem Geld und der zurückgewonnenen (Vor-)Freude.

Sessellift den Katsuyama hinauf zur Burg
Sessellift den Katsuyama hinauf zur Burg

Nach der oben erwähnten Busfahrt habe ich mich fix von meinem großen Rucksack getrennt und bin in der Sauna, die sich Matsuyama nennt, mit dem Sessellift den Katsuyama zur Burg hochgefahren.
Manchmal ist es kurios, dass auf der einen Seite an jeder Baustelle jemand steht, der einen zur Sicherheit nochmal darauf hinweist, dass dort eine Baustelle ist und man bitte vorsichtig sein soll, und auf der anderen Seite die Sitze hier keinen Bügel haben. Nicht dass es mich groß gestört hätte, aber innerlich geschmunzelt habe ich trotzdem. So wie sich Tradition und Moderne hier die Hand reichen, passiert das ebenso mit Übervorsicht und Urvertrauen in den gesunden Menschenverstand. (Wobei mir die Vorsicht deutlich öfter begegnet.)
Oben angekommen, habe ich zu Fuß die restlichen Stufen (mein persönlicher Running Gag…) zur Burg genommen und habe es genossen, dass ganz oben tatsächlich eine Meeresbrise wehte. Ich bin zwar nicht zum Wasser gekommen, aber von da oben konnte ich die Küste zumindest sehen.
Die Burg von Matsuyama ist eine wirkliche Schönheit. Zudem ist man hier auf ausländische Gäste eingerichtet, denn alles ist nicht nur auf Japanisch, sondern auch auf Englisch beschriftet. Die Burg wurde laut Schautafel vor Ort mutmaßlich  1627 das erste Mal fertig gestellt, brannte 1784 nach einem Blitzeinschlag nieder und wurde 1854 wieder aufgebaut. Wer noch etwas mehr zur Geschichte lesen möchte, die natürlich mit Samurais zu tun hat, kann das zum Beispiel >hier< tun. Ich liefer ein paar Bilder dazu.
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Innen durfte man natürlich nicht mit seinen Schuhen rumlaufen. Wie an vielen Orten in Japan, gibt es dafür am Eingang wahlweise Regale für die Schuhe oder eine etwas luxuriösere Variante mit Schließfächern, um ein unüberschaubares Schuh-Meer zu vermeiden. Damit man nicht strumpfsock oder gar barfuß durch die Räume gehen muss, werden fast immer Schlappen bereitgestellt, die ich aber weitestgehend meide. (Treppensteigen ist in den Dingern für mich eindeutig gefährlicher als ohne. Außerdem nervt mich dieses Rumgeschlurfe, weil man natürlich nicht gut darin laufen kann.)
20150820_Matsuyama-jo Schuhe 01 20150820_Matsuyama-jo Schuhe 02 20150820_Matsuyama-jo Schuhe 03 Um den Food-Content auf Wunsch eines einzelnen Herren zu erhöhen, streuen ich jetzt auch mal das Eis ein, dass ich zwischendurch hatte. Mikan-Softeis. War okay und dafür zu teuer.
20150820_Matsuyama-jo Eis
Nach dem entspannten Abstieg dank des Sessellifts, hatte ich ein hervorragendes italienisches Mittagessen. Aber dazu später mehr.
Vorher geht es zur Bansuiso-Villa und zum  „Saka no ue no kumo“-Museum. Beides liegt nur einen Steinwurf vom Hotel (und voneinander) entfernt, ansonsten hätte ich mir die französische Villa gespart. Innen gab es eine Ausstellung, die ich nicht verstanden habe (viele japanische Texte) und für meine europäischen Augen nichts Spektakuläres. Meine liebsten Ansichten sind das unfertig gestrichene Treppenhaus, der schnöselige Japaner mit mir und der schöne Garten.
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Sehr viel spektakulärer war der Bau des „Saka no ue no kumo“-Museums, der von Tadao Ando entworfen wurde. Das Haus selbst ist dem gleichnamigen Roman von Shiba Ryotaro gewidmet, der den Lebensweg dreier junge Männer aus Matsuyama in der Meiji-Ära nachzeichnet. Eine Zeit in der alles möglich war. Der Roman war/ist ein großer Erfolg in Japan und ich hatte mal wieder keine Ahnung davon. Schlimm. (>Hier< eine kurze deutsche Inhaltsangabe.) Jedenfalls soll laut Ando der Bau die Stimmung der damaligen Zeit ausdrücken. Mich hat die Architektur ziemlich beeindruckt. So sehr, dass ich am Ende wegen der schrägen Wände etwas das Gefühl hatte die Balance zu verlieren.
(Stellvertretend für den Bayer habe ich den Beton gestreichelt, weil er das immer macht, um dann zu sagen: „Sehr schöner Beton. Gut verarbeitet.“ Hab ich aber nicht gesagt, weil ich davon keine Ahnung habe.)
20150820_Saka no ue no kumo-Museum 01 20150820_Saka no ue no kumo-Museum 02 20150820_Saka no ue no kumo-Museum 03 20150820_Saka no ue no kumo-Museum 04 20150820_Saka no ue no kumo-Museum 05 Mein Abendprogramm bestand aus einem Blick vor die Tür und der Planung der kommenden Tage.
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Am letzten Tag in Matsuyama habe ich das Ehime-Kunstmuseum besucht, das mich enttäuschte. Von einem Kunstmuseum der Präfektur Ehime hatte ich mir deutlich mehr versprochen. Die Dauerausstellung war leider alles andere als umfangreich. Das soll die wenigen präsentierten Stücke nicht schmälern, aber ich war doch froh, dass ich nur den Studententarif gezahlt habe. Die Sonderausstellung bestand aus vielen farbenfrohen Landschaftsaufnahmen. (Fotos waren natürlich nicht gestattet.)
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Den Nachmittag bin ich durch die Stadt gebummelt und habe mich in einigen Läden umgesehen. Ich hatte keine Lust mir noch weitere Museen anzusehen oder zu einem Tempel zu wandern. Darf auch mal sein.
Mein absolutes Tageshighlight war dann mein erklärtes Lieblingsrestaurant in Ehime (ob es ganz Shikoku schafft, wird sich zeigen): Das Mikania.  Ich war bereits am vorigen Tag zum Mittagessen dort und war sehr begeistert von der sehr frischen und sehr italienischen Küche. Meine Begeisterung trieb mich noch einmal hin und wurde nicht enttäuscht. Die Betreiber waren erst etwas überrascht mich wieder zu sehen, haben das gestrige Mittagessen aber noch einmal getoppt. Es gab richtige (!) Salami, Käse, leckere Oliven, tollen Salat, Pizza, und und und. Es war so herzlich und köstlich, dass es mir bei der Frage des Kochs und Inhabers, ob es schmeckt, schier die Freudentränen in die Augen trieb. Oh man. So schmeckt Freude.
Er hat mir noch erklärt, dass es sehr schwierig ist gute Salami, guten Schinken und Käse in Japan zu bekommen. Das glaube ich ihm gerne. Ich hatte seit meiner Ankunft in Japan weder gute Salami, noch guten Schinken oder Käse.  Jedenfalls kann ich das kleine Restaurant nur wärmstens empfehlen, sollte mal jemand in Matsuyama sein und auch grade keine Lust auf japanische Küche haben. Es liegt direkt in der netten Straße zur Seilbahnstation.
20150821_Matsuyama Mikania 20150821_Matsuyama Railrope Street

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