Das Kunchi-Festival in Nagasaki

Ich habe hier so oft Glück, dass ich manchmal abends im Bett liege und den Kopf schüttel. Nagasaki, zum Beispiel, hat mich nicht nur mit so gutem Wetter umsorgt, sondern auch das Kunchi-Festival für mich auf die Beine gestellt.
Bei der Buchungsbestätigung von Shingo, dem Betreiber des route, wo ich mich die vier Nächte sehr wohl gefühlt habe, dachte ich nämlich erst noch es würde sich um einen Fehler handeln, dass ich den Festtagspreis zahlen musste, aber auf der Fahrt nach Nagasaki hat mich der Reiseführer darauf hingewiesen, dass ich genau zur Zeit des großen Herbstfestivals in der Stadt sein würde.
Das Kunchi-Festival wird seit 380 Jahren gefeiert und geht auf den 9. Tag im 9. Monat des Mondkalenders zurück, der für einen Glückstag gehalten wurde/wird.
Jedes Jahr vom 7. bis 9. Oktober sind im sieben-Jahres-Zyklus 7 der über 40 Stadtteile an der Reihe aktiver Part des Spektakels zu sein. Jedes Viertel hat dabei ein eigenes traditionelles Programm, was das Fest sehr vielfältig macht.
Außenrum gibt es natürlich jede Menge Fressbuden und Nippesverkäufer, aber das kennen wir ja nicht anders.

20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 02 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 03 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 04Da ich natürlich keine Karte mehr für eines der Hauptprogramme am Morgen bekommen habe, beim dem alle sieben halbstündigen Aufführungen gezeigt werden, habe ich versucht die Kurzvorführungen tagsüber zu sehen. Bei diesen Kurzvorführungen sind (nach meinem Verständnis) zwei Kleingruppen je Stadtteil unterwegs, um Händlern, Ladeninhabern, Hotel-, Museumsbetreiber etc., die einen gewissen Obolus dafür überreichen ihre persönliche Aufwartung zu machen. So wäscht eine Hand die andere: Die Händler ziehen Aufmerksamkeit und damit möglicherweise Kunden auf sich & die Gruppen können so (einen Teil) der Kosten wieder reinholen. Offenbar gibt es je nach Höhe des Schecks auch mal längere/aufwändigere Darbietungen. Ein wiederkehrendes Element: Der/Die Zahlende als Mittelpunkt der Vorstellung. Ihr könnt auf den Bildern und Videos sehen, was ich damit meine.

 Meine erste Vorstellung erlebte ich beim Besuch des Dejima-Museums. Der Museumsdirektor – zumindest halte ich ihn dafür – fragte mich wo ich herkam und empfahl an Ort und Stelle zwei Minuten zu warten, um mir eine Aufführung anzusehen. So stand ich in der ersten Reihe als die Gruppe des Kanaya-machi ihren Geisha-Tanz hon-odori zum Gesang des Herren am Mikro vorführte.
20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 05 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 06 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 07 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 08 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 09Auf meinem Weg nach „Downtown“, wo besonders viele Gruppen unterwegs sein sollten, begegnete ich zwei weiteren Gruppen. Ich vermute, dass die tanzenden Damen zum Shinbashi-machi gehören und das Kawafune (Flussschiff) gehört zur Gruppe des Stadtteils Enokizu-machi.
20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 10 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 1120151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 12Das was ich für meinen persönlichen Höhepunkt hielt folgte um die Ecke: Ich sah einen Mann im Anzug wichtig vor einem Läden stehen und einen (Geld-)Umschlag in der Hand halten. Eins und Eins zusammengezählt, blieb ich stehen und sah kurz darauf die Gruppe des Stadtteils Nishifurukawa-machi mit ihrer Sumo-verwandten Vorführung.
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Sehr zufrieden mit meinen Begegnungen und hier und dort eine Kleinigkeit essend, ging ich über eine der Festmeilen zurück zu meiner Unterkunft. 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 14 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 15 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 16 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 17 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 18 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 19 20151008_Kunchi Matsuri Nagasaki 20Der letzte Grund, der zum Kopfschütteln im Bett führte, folgte aber noch und wurde mein persönlicher Höhepunkt des Tages. Die Gruppe aus Suwa-machi hatte ich den Nachmittag und Abend über vergeblich versucht zu finden, aber hier, kurz vor Schluss, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Der Drache war von weitem zu sehen und ich nahm die Beine in die Hand, um die Gruppe noch zu erwischen und den Ja-odori (Drachentanz) zu sehen. Nun, das ist mir wohl gelungen :)
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