Von Affen und Bäumen, Rehen und Bergen: Yakushima

No Rain. No Rainbow.
Jetzt habe ich mein Herbstwetter.

Heute ist es grau auf Yakushima. So wie gestern. Nur grauer. Macht aber nichts. Ich war ja gestern unterwegs und da war es hellgrauer. Außerdem war mein Leihwagen hellblau und ich war immer dort, wo es gerade nicht regnete. Das Glück ist also noch mit mir, hat aber irgendwo zwischen feuchter Kleidung und Klimaanlage nicht so gut aufgepasst, denn die Erkältungssymptome, sind heute nicht mehr zu leugnen. So bleibt aber zwischen der heißen Zitrone und dem nächsten Hustenbonbon etwas Zeit von gestern zu erzählen.
Yakushima ist eine kleine Insel (132 km Umfang) ca. 60 Kilometer südlich von Kyushu, Japans südlicher Hauptinsel, und besteht zu 90 Prozent aus Bergen, von denen viele deutlich über 1.500 Meter hoch sind. Damit hat sich Yakushima zum einen den Ruf als „Alpen des Ozeans“ verdient, zum anderen sorgt eine derartige Landschaft in dieser Klimazone natürlich für einzigartige Flora und Fauna. Das erkannte auch die UNESCO und sorgte mit der Verleihung des Welterbestatus 1993 dafür, dass der Charakter der Insel erhalten bleibt.
„Die“ Attraktionen sind hier entsprechend Berge, Pflanzen und Tiere: Miyanoura-dake,  Yaku-sugi, Yaku-saru und Yaku-shika. Auf Deutsch: der höchste Berg, die dicksten und höchsten Bäume  Japans (Zedern), die hiesigen Makakenaffen und kleinen Rehe. Hinzukommt, dass Meeresschildkröten im Sommer an einem Strand Yakushimas ihre Eier ablegen und das restliche Jahr ohne Schwierigkeiten für Taucher unter Wasser zu finden sind. Insbesondere für Wanderer und Taucher gibt es also genug Gründe herzukommen.
Mein Plan war, mir gestern einen Überblick zu verschaffen und heute eine der Wanderrouten zu gehen. Nun bleibt es bei einem Überblick, aber ich kann ja wiederkommen.

Bei meiner Inselrundfahrt fuhr ich im Uhrzeigersinn von Miyanoura aus immer der Küste entlang. Meinen ersten Stopp legte ich an der Tashiro Küste ein, wo es „kissenförmige Felsen“ geben sollte. Die habe ich nicht erkannt, aber schön war es trotzdem.
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Weiter ging es Richtung Anbo und dort dann rechts hinauf in die Berge. Nach einem Besuch im Yakusugi Museum, habe ich meine Wanderschuhe angezogen und eine Runde im Yakusugi Land gedreht.
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Yakisugi-Land. „Für weniger Abenteuerlustige“, wie mein Reiseführer hier anmerken würde, aber ehrlich gesagt, fand ich das einen sehr angenehmen Einstieg, um sich den Yakusugi zu nähern und eine Idee davon zu bekommen, wie wohl die „richtig alten“ Vertreter aussehen. Hier stehen nämlich eher die Jüngeren mit ca. 1.000 Jahren auf dem Buckel. Jedenfalls war alles sehr nett mit Geländer und befestigten Wegen herausgeputzt und ich brauchte nicht bei jedem Schritt gucken, wo ich nicht ausrutschen mochte. (Da dachte ich auch noch, dass der „abenteuerliche“ Part heute kommt.) Die ganz großen Yakusugi stehen freilich noch weiter oben in den Bergen, aber der Buddha-sugi (der „lachende“ Baum unten) und andere Kollegen, haben so auch schon mächtig Eindruck gemacht.
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Da das Yakisugi Land auf gut 1.000 Metern liegt, habe ich von der Küste hinauf natürlich etwas gebraucht. Langweilig wurde das nicht, denn 1) gab es Aussicht und 2) Affen. Eigentlich ist es nämlich so, dass die Straße denen gehört. Nicht den Autos. Da haben wir Menschen grundsätzlich etwas missverstanden.
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Mein erklärtes Ziel war es danach im Onsen eine Pause zu machen, aber da hatte ich die Rechnung ohne den Betreiber gemacht. Denn der machte auch grade Pause. So gab’s nur Mittag und die Fahrt ging weiter zu einigen Wasserfällen: Der Torohki-, der Ryujin-, der Senpiro- (80 Meter hoch) und der Ohko-Wasserfall (88 Meter) lagen alle nicht weit von befahrbaren Straßen entfernt.
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Nach dem Ohko-Wasserfall begann dann relativ bald der Seibu-rindo Forest Path, was mir erst klar wurde, als ich schon mittendrin fuhr. Ich hatte mich zwar über das Schild gewundert, dass die Straße über Nacht gesperrt würde, aber dachte da noch, dass es an einer Baustelle liegen würde. Aber weit gefehlt. Das gut 9 Kilometer lange Stück der Küstenstraße gehört zum ausgewiesenen Welterbegebiet und so war es tatsächlich fast wie im Wald. Die Straße war zwar vorhanden, aber eben auch die sehr dichten Bäume und die Küste, Felsen, Kurven und Laub. Vor mir immer wieder Rehe und Affen und manchmal ein entgegenkommendes Auto. Zum Glück (toitoitoi) immer dann, wenn die Straße grade breit genug war für zwei Fahrzeuge. So urig und eindrücklich es auch war, da war ich doch ganz froh, dass 9 Kilometer irgendwann zu Ende sind.
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Von dort aus war es fast ein Klacks wieder nach Miyanoura zu fahren. Die Straße war wieder zweispurig, die Aussicht auf Meer und Berge herrlich und das Tanken zum Schluss ist hier ohnehin reinster Service: Ich wurde zur Zapfsäule gewiesen, gefragt, was ich will, die Tankwartin füllte den Tank und hat anschließend am Auto abkassiert. Ich brauchte keinen Fuß vor die Tür setzen. (Und das ist in Japan normal und nicht zufällig passiert.)
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Nun werde ich mich langsam wieder meinem Rucksack widmen, denn morgen geht es per Schiff, Bus, Flugzeug und Monorail zur nächsten Unterkunft. Nach Okinawa.

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