Dienstag, Kobe.

Heute wurde der Traum des Bayern vom Kobe-Rindfleisch Wirklichkeit und ich durfte sogar mit. Seine penible Vorbereitung, wo wir am besten essen dürften, hatte leider einen Haken: Dass das angestrebte Restaurant mittags geschlossen haben könnte, hatte er nicht bedacht. Aber es ist in Kobe keineswegs so, dass nur ein Restaurant das Fleisch auf der Karte hat. Vielmehr muss man aufpassen, dass man nicht alle paar Meter in das nächste Lokal hineingelockt wird, um mit ganzen Busgesellschaften in einem Raum zu landen. Wäre auch ein Erlebnis gewesen, aber nicht das von uns angestrebte.
Da wir auch das zweite Restaurant auf seiner Liste nicht gefunden haben und sich langsam (Hunger bedingt) schlechte Laune breit machte, haben wir eine nette Brasilianerin, die in der Touristeninformation arbeitet, nach ihrem Tipp gefragt. So landeten wir im zweiten Stock des Kikusui: Im Erdgeschoss befindet sich eine Kobe-Rind-“ Fleischboutique“ (O-Ton Bayer), im 1. Stock ein klassisches kleines Kobe-Beef Lokal und im 3. Stock ein hochpreisiges Restaurant – in beidem ist die Spezialität natürlich das hiesige Rindfleisch.

Wir meldeten uns also in der „Fleischboutique“ zum Mittagessen an, wurden zum Fahrstuhl geleitet und ein Stockwerk höher von einer Kellnerin in Empfang genommen. (Ja, wir hätten auch die Treppen nehmen können, aber die waren in dem „Willkommen in unserem Haus“-Stück nicht vorgesehen.)
Mit dem üblichen O-Shibori (ein meist heißes, feuchtes kleines Handtuch, um die Hände zu säubern) wurde uns die Mittagskarte gereicht und ich habe kurz überlegt unauffällig wieder zu verschwinden als ich die Preise sah. Natürlich wusste ich, dass die Biester teuer sind, aber das dann doch Schwarz auf Weiß zu sehen, ist etwas anderes. Der erste Impuls verschwand als ich die Preise der Abendkarte und das Verzücken im Blick meines Begleiters sah. Das Mahl bestätigte es dann: Qualität hat hier seinen Preis. Hinzu kommt die Exklusivität, die dem Essen innewohnt: Richtige Kobe-Rinder gibt es nun einmal qua Definition nur in Kobe (und evtl. anderen Teilen Japans), da es nicht ausgeführt werden darf.
(Schlaumeier-Info vom Bayern: „Zu Forschungszwecken wurden Rinder der Kobe-Rasse nach Australien und Amerika ausgeführt. Die haben aber natürlich nicht geforscht, sondern gezüchtet“ Quelle: unbekannt)
Damit weiß ich jetzt auch, dass das, was in Deutschland als Kobe-Rind verkauft wird, keines sein kann. Wobei natürlich die Rasse die gleiche ist (japanisches Schwarzrind), aber eben nicht aus jenem Genpool stammt, der in Kobe für die Züchtung verwendet wird. Ein Detail, das für Gourmets sehr viel wichtiger ist als mir.

Zurück zum Essen: Das Menü begann mit einem kleinen Salat (grün mit zwei Kirschtomaten). Während wir den aßen, bereitete unser Koch das Knoblauchöl für das Steak vor, indem er Knoblauch röstete und die Chips auf unserem Teller platzierte.
Der Koch muss übrigens nicht aus Kobe sein, um das Rind, das in Kobe gezeugt, gemästet und geschlachtet wird, zubereiten zu dürfen. Unser kam aus China und sprach mindestens drei Sprachen fließend.
Nach den Knoblauchchips kam der Hauptdarsteller auf die Bühne. Zusammen mit etwas Konnjaku (die länglichen Streifen, die im Video zum Herz zusammengeschoben werden) und Zucchini, kam das Fleisch auf die heiße Platte und wurde fachgerecht zubereitet, bevor es tatsächlich auf unseren Tellern landete. Und was soll ich sagen – es war hervorragend. Dem Bayer standen sogar Tränen des Genusses in den Augen (ungelogen). Die Textur war anders als erwartet, die Größe im Vergleich zu einem „normalen“ Steak natürlich ein Witz, aber der Geschmack enorm.
Bevor die Nachspeise kam (ein Zitronen-Sorbet plus Grünem Tee), wurden die sehr fetten Stücke, die vorher aus dem Steak herausgeschnitten worden waren, noch einmal separat gebraten und zusammen mit Sprossen und Knoblauchöl als dritter Gang serviert.

Das Kikusui können wir mit bestem Gewissen weiterempfehlen. Das Essen war hervorragend, das Personal aufmerksam und zudem war die Atmosphäre sehr angenehm. Wir hatten zudem das Glück, dass außer uns nur zwei weitere Gäste zeitgleich da waren und so jedes Paar seinen eigenen Koch hatte.
Ein Menü kostete übrigens 6.990 Yen (nach aktuellem Kurs ca. 53 Euro). Das hat sich gelohnt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s